Falls Ilham Alijew, der Präsident Aserbaidschans, einmal sein Amt verlassen muss, übernimmt der Vize diesen Job. Praktischerweise ist das seit Kurzem seine Ehefrau Mehriban Alijewa, so bleibt alles in der Familie. Am Montag wurde sie zur Ersten Vizepräsidentin des Landes ernannt. Ihr Gatte begründete die Wahl seiner Frau damit, dass Mehriban Alijewa "bereits seit vielen Jahren eine wichtige und aktive Rolle in unserem sozialen, politischen und kulturellen Leben spielt".

Falsch ist das tatsächlich nicht: Alijewa ist schon seit Langem in der Staats- und Parteipolitik aktiv und hatte bereits mehrere Ämter inne. Sie war Vizechefin der Regierungspartei Neue Aserbaidschanische Partei, Botschafterin bei der Unesco und Leiterin der Geidar-Alijew-Kulturstiftung. Nun hat sie offensichtlich die vorläufige Krönung ihrer politischen Laufbahn erreicht.

Um dahin zu kommen, musste ihr neues Amt vergangenen Herbst erst einmal geschaffen werden. Das wurde durch eine Verfassungsänderung möglich, mit der unter anderem auch die Amtszeit und Machtbefugnisse des Präsidenten ausgeweitet wurden. Für die Änderung wurde extra ein umstrittenes Referendum abgehalten.

In Aserbaidschan herrschen Klane

Ob diese Ausweitung der Machtbefugnisse wirklich nötig war, ist durchaus fraglich. Seit 14 Jahren ist Ilham Alijew im Amt – er hat es von seinem Vater übernommen. Und auch Alijews Kinder werden bedacht. So sind laut den Panama Papers die Töchter Leyla und Arzu in Offshore-Konstruktionen eingespannt, die den Zugriff auf eines der größten Industrieunternehmen des Landes und auf das Gros der Gewinne einer aserbaidschanischen Goldmine ermöglichen.

Es hätte auch Alternativen zu Alijewas Kandidatur gegeben, sagt der aserbaidschanische Politologe Fikret Sadychow, Professor der Western University in Baku, zum Beispiel den aktuellen Vizeministerpräsidenten. "Mehriban hatte viele wichtige öffentliche Ämter inne. Insofern war die Ernennung logisch nach all dem, was sie gemacht hatte", sagt Sadychow. Sein russische Kollege Arkadij Dubnow dagegen sieht als Grund weniger die bisherigen Leistungen der Präsidentengattin als die Festigung der politischen Macht der wichtigen Familien Aserbaidschans. Als Vizepräsidentin vertrete Alijewa ja nicht nur die Interessen ihres Gatten, sondern eben auch die ihrer eigenen Familie, den Paschajews. "In Aserbaidschan herrscht eine Art von Nepotismus, in anderen Worten: eine Familienregierung," sagt Dubnow.

Aserbaidschan gehört zu den Staaten, in denen traditionell Klane walten, und die politische Elite bilden aktuell eben die Alijews und Paschajews. Entsprechend erreicht die Ernennung Alijewas zwei Ziele: Sie schafft einen Ausgleich zwischen den Sippen und verhindert jeden Versuch der Opposition, an die Macht zu kommen.

Auch die Erfahrungen des Nachbarn Russland können als Vorbild dienen: "Vielleicht ermöglicht das neue Amt zukünftigen ein Tandem, wie es Putin und Medwedew 2011 in Russland gebildet haben. Dieses Szenario könnte in Aserbaidschan in einigen Jahren Anwendung finden, wenn die Amtszeit des heutigen Präsidenten ausläuft", sagt Dubnow. Politologe Sadychow dagegen glaubt nicht daran: "Ilham Alijew ist noch ein relativ junger und aktiver Politiker. Ich denke nicht, dass er plant, sein Amt zu verlassen oder zu rochieren." Das neue Amt diene nach Ansicht Sadychows nicht der politischen Intrige, sondern der Stabilisierung des politischen Systems.