Die montenegrinische Staatsanwaltschaft geht nach Ermittlungen davon aus, dass Russland an den Vorbereitungen des fehlgeschlagenen Umsturzversuchs im vergangenen Oktober beteiligt war. Mehrere Serben stehen im Verdacht, am Wahltag ein Attentat auf den damaligen Ministerpräsidenten Milo Đukanović und einen Putsch geplant zu haben. Zunächst hätten die Ermittler nur ein Mitwirken "russischer Nationalisten" hinter dem Putschplan vermutet, inzwischen sähen sie "russische staatliche Organe" als tatbeteiligt an, sagte Sonderermittler Milivoje Katnić.

Die Ermittler riefen die russischen Behörden dazu auf, diese Vorgänge zu untersuchen und strafrechtlich zu verfolgen. In dem Fall gibt es inzwischen 25 Tatverdächtige, vor allem Serben. Der serbische Nationalist Aleksandar Sinđelić sei bei den Vorbereitungen zu dem Putschversuch nach Moskau eingeladen worden, sagte Katnić. Als Verbindungsmann gab er in der russischen Militärzentrale Eduard Sismakow an, der unter dem Decknamen Schirakow auftrete. Ziel des Auftrags sei es gewesen, eine Aufnahme Montenegros in die Nato zu verhindern.

Russland wies die Vorwürfe laut dem britischen Sender BBC zurück. Ein Sprecher des Kremls sagte, die Anschuldigungen seien "absurd". Russland habe sich nicht in die Innenpolitik anderer Länder eingemischt.

Im Zentrum der Wahl in dem 640.000-Einwohner-Staat stand Mitte Oktober die Frage, ob sich der Balkanstaat enger an den Westen oder an Russland binden soll. Am Wahltag wurde bekannt, dass 20 Serben festgenommen wurden. Sie hätten den Plan gehabt, Unruhe zu stiften, Đukanović zu entführen und die Macht zu übernehmen. Der Vorfall verhalf der Regierungspartei zum Wahlsieg, Kritiker warfen dem Ministerpräsident vor, die Festnahme selbst inszeniert zu haben. Die prorussische Demokratische Front (DF), die gegen einen EU- und Nato-Beitritt ist, erhielt nur etwa ein Fünftel der Stimmen.

Whitehall-Quelle bestätigt den Verdacht

Die britische Zeitung Telegraph hatte am Sonntag unter Berufung auf britische Regierungskreise berichtet, dass Russland hinter den Putschplänen gesteckt habe. Der geplante Angriff sei eines der besten Beispiele, dass Russland sich zunehmend aggressiv in westliche Politik einmische, hieß es. Der britische Außenminister Boris Johnson und sein US-amerikanischer Kollege Rex Tillerson sollen die neuen Erkenntnisse bereits vergangene Woche in ihrem ersten Treffen diskutiert haben.

Der Telegraph schreibt, Interpol suche bereits nach zwei Russen, die laut der montenegrinischen Regierung hinter dem Putschversuch vermutet werden. Die russische Regierung bestreitet die Vorwürfe, auch die prorussische Opposition in Montenegro hält an dem Verdacht fest, dass die Festnahmen von der Regierung geplant waren.  

Der russische Außenminister Sergej Lawrow nannte den Telegraph-Bericht eine britische Erfindung. Die Anschuldigungen stünden auf einer Stufe mit den Berichten, dass Russlands Geheimdienste Verbindungen zur Regierung von US-Präsident Donald Trump hätten und russische Hacker sich in Wahlen im Westen einmischten, sagte Lawrow laut BBC.

In der vergangenen Woche wurden drei serbische Nationalisten wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung zum Zwecke eines Umsturzes zu jeweils fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Unter den Verdächtigen sind auch zwei DF-Abgeordnete, deren parlamentarische Immunität aufgehoben wurde. Die Staatsanwaltschaft ordnete an, dass sie auf freiem Fuß bleiben.