An amerikanischen Bekenntnissen zum Nato-Bündnis und zur transatlantischen Allianz hat es auf der Münchner Sicherheitskonferenz nicht  gemangelt. Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Mike Pence, betonte Amerikas "unerschütterliche" Unterstützung für das westliche Verteidigungsbündnis, US-Verteidigungsminister James Mattis sprach vom "felsenfesten" Beistand.

Manche der am vergangenen Wochenende in München versammelten Regierungschefs und Minister atmeten danach hörbar erleichtert auf. Der transatlantische Schulterschluss von München war wichtig, beruhigen kann er gleichwohl nicht. Denn allen feierlichen Erklärungen zum Trotz blieb Trump der Schatten über München – oder wie die Amerikaner sagen würden: the elephant in the room. Allerdings war er nicht der einzige Elefant, es gab noch einen zweiten: die Europäische Union.

Da Donald Trump fast alles, was bislang den "Westen" ausmacht – Freiheit, Demokratie, Freihandel, Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit–, bedroht, setzen jetzt viele – auch aus Amerika – ihre gesamten Hoffnungen auf die EU. Dieses Bündnis aus 28 und bald nur noch 27 europäischen Staaten, sagen sie, müsste an Amerikas Stelle die Führung des "Westens" übernehmen und die liberale internationale Nachkriegsordnung verteidigen. Doch ist die von schweren inneren Erschütterungen heimgesuchte Europäische Union dazu überhaupt fähig? Auch dafür war München eine Lehrstunde.

Doch zunächst zum ersten Elefanten, zu Donald Trump. Konnten seine nach München entsandten Vertreter die Europäer tatsächlich beruhigen? Wenn, dann allenfalls oberflächlich. Der US-Vizepräsident und der Verteidigungsminister sagten nichts Überraschendes oder inhaltlich Neues. Aller Wahrscheinlichkeit nach durften sie es auch nicht.

Pence und Mattis unterstützten persönlich schon immer die  transatlantische Allianz. General Mattis ist ein altes Nato-Gewächs. In seiner Anhörung vor dem US-Senat sagte er sogar, gäbe es das westliche Verteidigungsbündnis nicht, müsste man es neu erfinden. Das von ihnen in München geäußerte Bekenntnis zur Nato war also keineswegs neu, war mit Trump, wie Pence selber sagte, abgestimmt und wurde lediglich mit ein wenig mehr Pathos vorgetragen.

Ein altes Verständnis von Sicherheitspolitik

Inhaltlich blieben die Vorträge blass. Pence wie Mattis sind Vertreter einer alten, rein auf militärische Stärke ausgerichteten Politik. Pence rühmte die Absicht seines Präsidenten, die Militärausgaben drastisch zu steigern und Amerika stärker denn je zu machen. Im Fokus standen allein Erzfeind Iran und der Krieg gegen den islamistischen Terrorismus.

In ihrer Welt verengt sich Sicherheitspolitik wieder auf das traditionelle Muskelspiel, auf die Zahl der Panzer, Flugzeugträger, Raketen und atomaren Sprengköpfe. Kein Wort verloren sie darüber, welche Rolle Außen- und Entwicklungspolitik spielen werden. Nichts sagten sie zur Europäischen Union und ob ihnen eine schlagkräftige europäische Verteidigungsarmee und eine damit zwangsläufig gestärkte EU gefallen würde. Unerwähnt blieb ebenso, was sie gegen Hunger, Armut, Klimakatastrophen, Krankheiten und Flucht – allesamt riesengroße Sicherheitsbedrohungen – zu tun gedenken. Und wie sie als Supermacht die Zukunft sehen und gestalten wollen.