Es war keine Rede für die Geschichtsbücher. "Ich möchte, dass wir ehrlich zueinander sind", sagte Rex Tillerson bei seiner ersten Ansprache im neuen Amt. "Ehrlichkeit wird die Basis unserer Außenpolitik. Wir sollten besonders jene respektieren, mit denen wir nicht einer Meinung sind." In einem anderen Zusammenhang hätte man Tillersons Beschwörungen des Teamgeistes als übliche Floskeln eines neuen Ministers abtun können. Doch vor dem Hintergrund eines Präsidenten, der den australischen Staatschef am Telefon eben mal abkanzelt und gerade mit neuen Sanktionen das Nuklearabkommen mit dem Iran zerstört, gewinnen Tillersons Worte geradezu moralisches Gewicht.

Als neuer US-Außenminister sieht sich Tillerson nicht nur einer brisanten weltpolitischen Lage gegenüber. Er hat auch große Herausforderungen im eigenen Haus. Am Tag als Tillerson seinem neuen Arbeitsplatz einen Antrittsbesuch abstattete, quittierte fast die gesamte Führungsetage des Außenministeriums den Dienst. Darunter Beamte, die sowohl unter einem demokratischen als auch einem republikanischen Präsidenten gedient hatten. Zwar gibt es bei einer neuen Regierung immer auch einen Personalwechsel in den Ministerien und Behörden. Ein derartiger Exodus ist allerdings höchst ungewöhnlich.

Nach Trumps Einreiseverbot, das er mit seinem Chefstrategen Steve Bannon im Alleingang ausgeheckt hatte, protestierten Tausend Beamte des Außenministeriums mit einem Memorandum. Daraufhin drohte ihnen der Sprecher des Weißen Hauses, die Diplomaten sollten entweder "mitziehen oder gehen".

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Selbst für erfahrene Washingtoner Veteranen wäre es schwierig, nach einem solchen Zerwürfnis das Ministerium hinter sich zu sammeln und wieder handlungsfähig zu machen. Erschwerend kommt hinzu, dass Tillerson ein politischer Neuling ist. Seine Ernennung ist heftig attackiert worden, insbesondere Umweltorganisationen sind empört. Sein einstiger Arbeitgeber Exxon hat lange Skeptiker des Klimawandels finanziert, obwohl hauseigene Experten das Problem schon vor Jahrzehnten beschrieben hatten.  

Auch Menschenrechtsorganisationen protestierten. Bei seiner Anhörung vor dem Senat – der ihn zwar im Amt bestätigte, wenn auch mit der geringsten Zustimmungsquote die ein US-Außenminister bisher bekommen hat – weigerte sich Tillerson, Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien oder in Russland zu kommentieren. Auch mit einer Verurteilung des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte, der in einem brutalen Kriegszug gegen Drogen Tausende außergesetzliche Tötungen erlaubt, zögerte er trotz der Nachfragen der Senatoren. Es fiel dem Manager sichtlich schwer, eine Antwort zu finden. Er sei Ingenieur, sagte er einmal, er wolle Fakten sehen.