Der Amtssitz von Laura Codruța Kövesi wirkt martialisch zwischen den bunten Gassen der Bukarester Altstadt. Vor dem Zweiten Weltkrieg tagte hier der Generalstab der Armee und die langen, schlichten Fluren mit hohen Decken erinnern noch immer an eine Kaserne. Von hier aus plant die Hausherrin, Staatsanwältin Kövesi, ihre Strategie für den Kampf – gegen die Korruption im Land. Wenigstens, so versichert sie, gebe es keine Kerker im Keller.

Kövesi leitet seit einigen Jahren die DNA, jene Sonderabteilung für die Bekämpfung der großen Korruption, die kurz vor dem EU-Beitritt Rumäniens auf Druck von Brüssel ins Leben gerufen wurde, um dem Filz und der Straflosigkeit in den obersten Etagen der Macht ein Ende zu setzen. Mittlerweile gilt die entschlossene Staatsanwältin selbst als die mächtigste Frau im Lande, so viel ist unumstritten. Ihre Methoden sind es nicht immer. Ihre letzte Bilanz liest sich beeindruckend. Allein 2015 hat sie gegen 1.250 Personen Ankalge erhoben, darunter ein amtierender Ministerpräsident, fünf Minister und über 20 Abgeordnete. Knapp 500 Millionen Euro hat die DNA in einem Jahr beschlagnahmt, "das entspricht dem Budget für den Bau von Autobahnen bis 2018", erklärt Kövesi. Auch die jährlichen Berichte der EU-Kommission loben die Arbeit der Behörde.

Straffreiheit für Korruption

Die sozialdemokratische Regierungspartei PSD, die bei den Parlamentswahlen im vergangenen Dezember haushoch siegte, setzt jetzt allerdings einiges daran, die Arbeit der Staatsanwälte zu erschweren. Zunächst wollte sie die Strafen auf Korruption und Amtsmissbrauch abschaffen, solange der Schaden unter umgerechnet 45.000 Euro liegt. Das scheiterte, die Regierung zog ihren entsprechenden Eilantrag zurück.

"Das Gesetz wäre eine Katastrophe gewesen", kommentiert Kövesi. "Wir hätten über 2.500 Akten einfach in den Müll werfen, und auf rund eine Milliarde Euro Schadenersatz verzichten müssen." Doch der Kampf geht weiter: Die PSD scheint im Moment noch nicht willens, vollständig auf ihre Pläne zu verzichten. Und die Chef-Staatsanwältin will ihrerseits auf keinen Fall locker lassen. Für sie geht der Konflikt allerdings tiefer: "Wir müssen eine Debatte über die notwendige Reform des Staates initiieren. Ein Beamter wird verurteilt und abgesetzt, sein Nachfolger begeht Monate später dieselbe Straftat. Niemand scheint etwas davon zu lernen. Ist es gut, dass wir jedes Jahr noch mehr Angeklagte und Verurteilte haben? Die Antwort muss die Gesellschaft liefern."

Warum so viele Rumänen korrupt sind

Eigentlich ist das Thema altbekannt. Die grassierende Korruption begleitet Rumänien spätestens seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Und selbst für die Zeit davor sind sich die meisten Historiker einig, dass weite Teile der politischen und bürokratischen Eliten aller Prägung, von großbürgerlich bis staatssozialistisch, ihre Ämter systematisch für Selbstbereicherung missbrauchten. Politiker und Beamte erkaufen ihre Machtpositionen und nutzen sie anschließend, um ihre weiten Klientelnetzwerke zu bedienen, eine Art primitive Umverteilung. Von der strukturellen Korruption profitiert direkt oder indirekt die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung: Die schlecht bezahlte Ärztin, die ihr Einkommen mit den Geschenkumschlägen der Patienten aufrundet, oder der Bauarbeiter, der für die Firma des Bürgermeisters die Dorfstraße repariert.