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Vor wenigen Wochen erschien im größten russischen sozialen Netzwerk VK eine Anzeige: "Männer, es gibt die Möglichkeit, für unser Heimatland zu arbeiten", lautete die erste Zeile. Der Lohn: "50.000 Rubel pro Monat, wenn man im Hauptquartier in Russland bleibt; 80.000 Rubel, wenn man sich ins Ausland versetzen lässt, plus Prämien." Umgerechnet sind das zwischen 700 Euro und 1.150 Euro. Die Anzeige endete mit den Worten: "Guten Kampf, Soldiers of Fortune!"

 Ilja Iwanow nennt sich der Mann, der die Anzeige veröffentlicht hat. Sein Job ist es, Söldner zu rekrutieren. Und vieles deutet darauf hin, dass Iwanow dieser Tage gut zu tun hat beim Aufbau einer neuen Privatarmee. Er sucht gerade Männer, die gegen Bezahlung im Jahr 2017 auf neuen Schlachtfeldern die Interessen Russlands umsetzen.

Iwanow ist nicht der Einzige, der gerade Söldner rekrutiert, aber ein besonders erfahrener Rekrutierer. Bereits 2014 suchte er nach Männern, die bereit waren, in Syrien zu kämpfen. Damals, als in der Öffentlichkeit noch niemand von russischen Soldaten in Syrien wusste, war sein Handeln gesetzeswidrig. Er hätte dafür bis zu acht Jahre ins Gefängnis gehen müssen. Jetzt ist das anders.

Eine wenig bekannte Gesetzesänderung

Zwei Tage vor dem Jahreswechsel unterschrieb Wladimir Putin eine Gesetzesänderung. In den staatsnahen russischen Medien wurde darüber kaum berichtet, auch in ausländischen Medien fand sie bisher keine Beachtung. Doch die Folgen sind weitreichend. Es geht um das Gesetz Nummer 53 über die Militärdienstpflicht in Russland. Dort heißt es nach der Änderung: Jeder, der den Militärgrundwehrdienst absolviert hat oder Reservist ist, gilt dann als russischer Militärangehöriger, wenn er "internationale terroristische Aktivitäten außerhalb des Territoriums der Russischen Föderation verhindert".

Da fast jeder Mann in Russland nach der Schule Grundwehrdienst geleistet hat, betrifft das neue Gesetz fast alle. Wenn sie gegen Terroristen kämpfen, gelten sie nun als Militärangehörige, auch wenn sie keiner offiziellen, dem Verteidigungsministerium unterstellten Militäreinheit angehören. Kurz gesagt: Gesetz Nummer 53 genehmigt den Einsatz von russischen Söldnern in der ganzen Welt und schafft die Voraussetzung, das Militär mit privaten Militärunternehmen legal auszubauen. Am 9. Januar 2017 ist das Gesetz in Kraft getreten.

Blackwater war das bekannteste US-Unternehmen, das als Söldnerfirma die teilweise kriminelle Arbeit für das Militär der USA erledigte, beispielsweise im Irak. Als die Praktiken von Blackwater an die Öffentlichkeit gelangten, löste das weltweit eine Debatte aus, die auch in Russland ausführlich geführt wurde. RT fragte in Artikeln und TV-Beiträgen: Private Militärunternehmen: Ein neuer Weg der Kriegsführung? Heute aber, da das Thema das eigene Land betrifft, schweigen die großen Medien in Russland.

Wie funktioniert das nun legale Geschäft mit den Söldnern? Wie arbeiten Rekrutierer wie Iwanow? ZEIT ONLINE hat sich auf Iwanows Anzeige gemeldet und dafür die Identität Pawel Nikulin erfunden. Nikulin ist 27 Jahre alt, arbeitet als Elektrofachkraft in Wolgograd und hat in den Jahren 2010 und 2011 seinen Grundwehrdienst geleistet. Dabei ließ er sich zum Panzermechaniker ausbilden, Spezialisierung: T-72 Panzer.