Unmittelbar vor dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und IWF-Chefin Christine Lagarde hat Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht für den Ausstieg Griechenlands aus dem Euro plädiert. Ob Griechenland weiterhin seine Perspektive innerhalb der für seine Volkswirtschaft viel zu harten Währung des Euro sehe, müsse letztlich die griechische Bevölkerung entscheiden, sagte Wagenknecht der Rheinischen Post. "Allerdings spricht einiges dafür, dass eine wirtschaftliche Erholung jenseits dieses Korsetts um einiges leichter wäre", so die Politikerin.

Wagenknecht warf Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vor, seit Jahren die deutsche Öffentlichkeit zu täuschen, obwohl er wisse, dass Griechenland pleite sei. Die von der Bundesregierung mitverantworteten Kredite an das Land seien "ein Milliardengrab" für die deutschen und europäischen Steuergelder, sagte Wagenknecht. Nicht Griechenland sei mit diesen Krediten gerettet worden, sondern Banken und Hedgefonds.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und IWF-Chefin Christine Lagarde beraten an diesem Mittwoch in Berlin über die Griechenland-Krise. Zuletzt hatten sich die europäischen Geldgeber und der Internationale Währungsfonds (IWF) bei der finanziellen Unterstützung des Landes angenähert. So sollen sich Euro-Gruppe und IWF auf eine flexiblere Auslegung der griechischen Haushaltsziele sowie mögliche zusätzliche Reformanstrengungen der Athener Regierung verständigt haben. Diese Kompromisslinie dürften Lagarde und Merkel bei ihrem Treffen im Kanzleramt erörtern.

Der Chef des Euro-Rettungsfonds (ESM), Klaus Regling, zeigte sich überzeugt davon, dass Griechenland kein weiteres Kreditprogramm benötigt. "Wenn die nächsten 18 Monate gut genutzt werden, bin ich zuversichtlich, dass dies das letzte Programm ist, das Griechenland machen muss", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Er gehe davon aus, dass Griechenland von Mitte 2018 an "auf eigenen Beinen steht und sich selbst Geld am Markt besorgen kann".