Die russische Luftwaffe hat in Nordsyrien versehentlich türkische Truppen bombardiert und drei Soldaten getötet. Eigentlich habe der Luftschlag der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gegolten, teilte die türkische Armee mit. Elf Soldaten seien bei dem Luftangriff auf ein Gebäude verletzt worden. Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte den Tod von drei türkischen Soldaten "als Folge des unabsichtlichen Angriffs eines russischen Flugzeugs".

Der Kreml teilte mit, der russische Präsident Wladimir Putin habe seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdoğan sein Beileid wegen "des tragischen Zwischenfalls" ausgedrückt, der den Tod mehrerer türkischer Soldaten bei der Stadt Al-Bab verursacht habe. Gleichzeitig sei bei dem Telefonat ein Ausbau der militärischen Zusammenarbeit gegen den IS und andere extremistische Gruppen in Syrien vereinbart worden.

Bereits am Mittwoch waren bei Kämpfen in der Region fünf türkische Soldaten getötet worden. Seit dem Einmarsch in Nordsyrien im August sind damit mehr als 60 türkische Soldaten getötet worden.

Kampf gegen IS und gegen Assad

Mit der Operation Schutzschild Euphrat unterstützt die türkische Armee Rebellen in Syrien. Es gelang ihnen schnell, den IS von der türkisch-syrischen Grenze zu verdrängen. Bei Al-Bab im Norden des Landes geriet die Offensive aber bereits im Dezember ins Stocken. Seitdem ist die Stadt schwer umkämpft. Mit der syrischen Armee und ihren Verbündeten liefern sich die Türkei und die syrischen Rebellen seit Tagen ein Wettrennen um Al-Bab, das vom IS kontrolliert wird.

Südwestlich von Al-Bab seien erstmals Gefechte zwischen türkischen Truppen und Kräften der syrischen Regierung ausgebrochen, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Auch aus lokalen Rebellenkreisen hieß es, türkische Artillerie habe Beschuss der Regierungskräfte erwidert.

Die Türkei gehört zu den schärfsten Gegnern der Regierung des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad, der von Russland unterstützt wird. Zugleich treibt die Türkei gemeinsam mit Russland die Bemühungen um Friedensverhandlungen in Syrien voran. Nach dem irrtümlichen Bombardement teilte der Kreml mit, dass beide Seiten an diesen Bemühungen festhalten wollten. In Syrien gilt seit Ende Dezember eine von den beiden Schutzmächten ausgehandelte Waffenruhe, von der der IS und andere extremistische Gruppen aber ausgenommen sind.

Nach einer monatelangen Krise wegen des Abschusses eines russischen Kampfjets durch die Türkei im November 2015 hatten sich Putin und Erdoğan im vergangenen Sommer offiziell versöhnt. Dann wurde im Dezember der russische Botschafter in Ankara erschossen; der Attentäter war ein türkischer Polizist.