Ausgerechnet am Valentinstag bekam das bisher so harmonische Verhältnis zwischen Russland und der neuen US-Regierung Risse. Während des täglichen Briefings im Weißen Haus sagte der Sprecher von Donald Trump, Sean Spicer, der Präsident habe "sehr deutlich gemacht, dass er von der russischen Regierung erwartet, die Gewalt in der Ukraine zu deeskalieren und die Krim zurückzugeben".

Zugleich erwarte Donald Trump auch, mit Russland gut auszukommen, im Gegensatz zu früheren Regierungen, um gemeinsam viele Probleme der Welt lösen zu können, zum Beispiel die Bedrohung durch den "Islamischen Staat" und den Terrorismus.

Als diese Äußerungen fielen, schlief man im Kreml schon. Am nächsten Morgen dann die Enttäuschung: Von Donald Trump, dem vermeintlich nahestehenden Partner, hatte man das nicht erwartet.

Zwar ignorierte die Moskauer Politikelite Spicers Äußerungen zum Konflikt im Donbass geflissentlich – denn auf nichts anderes bezog sich die Aufforderung, Russland solle "die Gewalt in der Ukraine deeskalieren". Aber die Krim erregte die Gemüter. Die Halbinsel ist so etwas wie die heilige Kuh der russischen Politik: unantastbar.

Nur eine Wahrheit über die Krim

Aus Kreml-Sicht gibt es nur eine wahre Haltung zum Status der Krim, und die besagt, dass die Krim schon immer russisch gewesen sei und ihre Bewohner schließlich selbst entschieden hätten, zu Russland gehören zu wollen. Dass Trump dem widersprach, musste einfach Kritik hervorrufen.

Die Erste, die sich äußerte, war die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Marija Sacharowa. "Wir geben unser eigenes Territorium nicht wieder zurück. Die Krim gehört zur Russischen Föderation", sagte sie. 

Parlamentspräsident Wjatscheslaw Wolodin erklärte, er wolle lieber warten, bis Trump selbst sich zur Krim erkläre und nicht nur sein Sprecher. Überhaupt habe der US-Präsident in seinem Wahlprogramm doch die Annexion der Halbinsel unterstützt. Es klang fast, als wünsche Wolodin sich jetzt doch eine andere Person im Amt.

Womöglich ist die Empörung aber voreilig. Liest man den kompletten Text von Spicers Pressebriefing, sieht man, dass der Regierungssprecher gar nicht anders konnte, als sich zur Ukraine und zur Krim zu äußern. Was er sagte, geht über bisherige Erklärungen der neuen US-Regierung kaum hinaus – und er beließ es bei relativ unkonkreten, folgenlosen Appellen.

Obama, der Sündenbock – für Putin und Trump

Hintergrund war der Rücktritt von Michael Flynn, bisher Nationaler Sicherheitsberater von Donald Trump. Flynn musste seinen Hut nehmen, nachdem herausgekommen war, dass er nach Trumps Wahlsieg mit dem russischen Botschafter in Washington über die US-Sanktionen gegen Russland gesprochen und später falsche Angaben darüber gemacht hatte.

Flynn war das wichtigste Thema des Briefings. Selbstverständlich stellten die Journalisten deshalb auch Fragen zu den Sanktionen – und Spicer sowie der ebenfalls anwesende neue Finanzminister Steven Mnuchin mussten sich dazu äußern. Sie erklärten, die Sanktionen würden nicht aufgehoben.

"Die Ironie der ganzen Situation ist, dass der Präsident unglaublich hart zu Russland war", sagte Spicer. Die Regierung von Barack Obama hingegen "hatte es zugelassen, dass Russland die Krim an sich riss".

Noch im Sommer 2016 gab Donald Trump den Russland-Versteher. Zuerst sagte er im Interview mit ABC News, russische Truppen seien gar nicht in der Ukraine gewesen. Dann erklärte er, Obamas Regierung habe die Besetzung zugelassen – und die Einwohner der Krim wollten ja ohnehin zu Russland gehören. Das entsprach ziemlich genau der russischen Linie.

Wenig Empörung über Russland

Am Dienstag twitterte er dann: "Die Krim wurde von Russland während der Obama-Administration GESTOHLEN. War Obama zu Russland zu weich?" Die Handlungen der russischen Regierung scheinen ihn weniger zu empören als die angeblichen Versäumnisse seines Vorgängers im Amt.

Vielleicht gab es deshalb in Russland auch moderate Reaktionen auf Spicers Aussagen. Die von Kreml-Sprecher Dmitri Peskow zum Beispiel. Zwar ließ Peskow ebenfalls keinen Zweifel daran, dass die Krim aus Sicht des Kreml russisch sei. Aber er betonte auch, dass Präsident Wladimir Putin gerne allen Partnern geduldig und stufenweise erkläre, "warum die Krim Teil von Russland wurde".

Die amerikanische Regierung bleibe trotz allem ein Partner, sagte Peskow. Zu Obamas Zeiten hatte er dieses Wort nie benutzt. Im besten Fall sprach er von "Washington" oder der "US-Administration". Von einer zuverlässigen Partnerschaft aber war nie die Rede.

Und was ist nun – laut Peskow – Wladimir Putins Erklärung für die angeblich russische Zugehörigkeit der Ukraine? Die dortige Revolution natürlich, die "in vielerlei Hinsicht aus dem Ausland unterstützt" wurde. Übersetzt bedeutet das: Die Obama-Regierung ist schuld. In diesem Punkt scheinen sich der russische und der US-Präsident immer noch einig. Vielleicht ist der Riss in den Beziehungen doch nicht so tief, wie es am Morgen nach dem Valentinstag schien.