Mit gut zwanzig Regierungschefs hat Donald Trump seit seiner Amtsübernahme gesprochen, darunter auch Kanzlerin Merkel und Russlands Präsident Putin. Ein echtes Schwergewicht hat er bislang ausgelassen: Xi Jinping, den Staatschef Chinas. Das letzte Gespräch zwischen den beiden gab es im November nach der US-Wahl, Xi hatte zwecks Gratulation angerufen. Doch inzwischen hat Trump einen Brief geschrieben, laut dem er "ein konstruktives Verhältnis" mit China anstrebe, das den Interessen beider Staaten diene.

Was nach einem Signal der Vernunft gegenüber Peking klingt, erscheint nach den scharfen Angriffen Trumps auf China im Wahlkampf und den ersten Amtswochen nicht eben selbstverständlich. Diese betrafen Chinas militärische Expansion ins Südchinesische Meer, Pekings Nachsicht mit dem atomgerüsteten Nordkorea und, dass China seit seinem WTO-Beitritt unfairen Handel betrieben habe, weshalb Trump mit hohen Importzöllen droht.

Was Chinas Führung aber besonders getroffen hat, war, dass Trump und sein Team kräftig an der sogenannten Ein-China-Politik mit Taiwan gerüttelt haben. Bald nach seinem Wahlsieg hatte Trump mit der Regierungschefin des demokratischen Taiwan telefoniert – für Peking ein Unding, es sieht sich als einzig legitimen Interessenvertreter Chinas und betrachtet die Ein-China-Politik als "politisches Fundament" für die Beziehungen zwischen beiden Staaten, wie zuletzt eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking betonte.

Ideologen, Militärs, Geschäftsleute

Trump installierte zudem zwei Männer zu führenden Beratern, die eine mindestens falkische, wenn nicht schon obsessive Perspektive auf China haben. Rechtsaußen Stephen Bannon fabulierte im März vergangenen Jahres öffentlich über einen unausweichlichen Krieg mit China in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Bannon sitzt heute im Nationalen Sicherheitsrat der USA.

Der andere, Ökonom Peter Navarro, beschuldigt die Regierung in Peking, Zehntausende US-amerikanische Unternehmen und Millionen Arbeitsplätze zerstört zu haben. Er ist gegen Freihandel und für eine starke Präsenz der USA im Westpazifik sowie die militärische Aufrüstung Taiwans. Diese neue Aggressivität ähnelt vielleicht auch nicht zufällig der Außenpolitik unter Ronald Reagan in den 1980er Jahren, nur heute mit China anstatt der Sowjetunion als wichtigsten Rivalen. Reagans Hochrüstung trug zum Ende der UdSSR bei.

Das alles ist aus Sicht Pekings besorgniserregend. Neben Ideologen wie Bannon oder Navarro prägen zwar auch Militärs und Geschäftsleute wie Verteidigungsminister James Mattis und Außenminister Rex Tillerson die neue Regierung, die sich auch über China konziliant und vernünftig äußern. Doch im Fall der Gebietsreklamierungen durch die chinesische Marine im Westpazifik hat Mattis zuletzt angekündigt, in der Region militärisch wesentlich präsenter zu sein, als es das Militär unter Obama war. Tatsächlich sind diese Ansprüche ein echtes Problem und wurden bereits von einem internationalen Schiedsgericht angeprangert.

Die neue US-Regierung macht es den KP-Parteiführern in Peking auf jeden Fall schwer, ihre Zukunft mit einem Trump-Amerika einzuschätzen. Und weil im Herbst auf einem wichtigen Parteitag Chinas Kommunisten ihre Parteidiktatur personell neu justieren wollen, kommen außenpolitische Friktionen jetzt alles andere als gelegen. In Trumps Team weiß man von dieser Schwäche natürlich, was möglicherweise die an den Tag gelegte Angriffslust begründet.