Nachdem seine engsten Vertrauten im Weißen Haus, Reince Priebus und Steve Bannon, den Präsidenten überschwänglich gelobt hatten, gab Vizepräsident Mike Pence zusätzlich den Vermittler zwischen Trump und den konservativen Sozialpolitikern, die den Präsidenten innerhalb der republikanischen Partei weiterhin skeptisch beäugen.

Pence erinnerte das Publikum an die Ernennung des Immigrationshardliners Jeff Sessions als Justizminister, an das Ende staatlicher Zuschüsse für Organisationen, die im Ausland Abtreibungsberatungen anbieten sowie Schritte zur Deregulierung diverser Erlasse unter Präsident Obama. "Ich glaube", sagte Pence, "dass Präsident Trump den Sehnsüchten und Enttäuschungen der Amerikaner endlich wieder eine Stimme gegeben hat wie kein Politiker seit Reagan."

Ronald Reagan ist das richtige Stichwort. Er ist der Geist, der seit Jahrzehnten über der CPAC-Tagung schwebt und Republikaner aller Couleur immer noch in Wallung versetzt. Bei den Grassroots-Aktivisten in der konservativen Bewegung war jemand wie Reagan einfacher zu verkaufen, als er die Partei nach Barry Goldwaters Wahldebakel 1964 beim Kragen packte.

Reagan wirkte damals unter den Evangelikalen, den Verfassungstreuen und den Fiskal-Schlitzhunden wie ein natürlicher Kandidat – im Gegensatz zu Trump, dem Boulevard-King aus Manhattan, mit seinem ideologielosem Populismus und nationalistischen Wirtschaftsparolen. 

Die Partei hat sich verändert

Aber auch die Partei hat sich verändert bzw. verändern müssen unter Trump. An sein Diktum, dass "die Kernbotschaft unserer Bewegung" die Tatsache sei, "dass wir eine Nation sind, die ihre Bürger an erste Stelle setzt", werden sich die Republikaner gewöhnen müssen. "America first" ist Trumps Vision davon, was es 2017 heißt, konservativ zu sein. Auch, dass "die GOP, von nun an, auch die Partei des amerikanischen Arbeiters ist".

Die zwischendrin angestimmten "USA! USA! USA!"-Sprechchöre waren nur ein kleines Zeichen, dass die Rhetorik an der Basis angekommen zu sein scheint. Trump sind ideologische Ausrichtungen nicht wichtig, Umfragen und Außenwirkung sind es. "Wir gewinnen nicht mehr. Wann haben wir zuletzt gewonnen? Haben wir einen Krieg gewonnen? Irgendwas? Wir werden wieder gewinnen, Leute, glaubt mir."

Es war die Einleitung für den Teil der Rede, der signalisieren sollte: Trump hat jetzt das Sagen und packt den amerikanischen Arbeiter am Kittel aus seinem Schlamassel: "Die Zeit ist reif für Action. Wir werden solide, durchdachte Maßnahmen ergreifen. Das müssen wir auch, um die Dinge endlich wieder zu drehen", sagte Trump. "Die Ära leerer Versprechen ist vorbei."

Noch ein Wörtchen mitzureden

Die vergessenen Amerikaner und Amerikanerinnen würden nicht länger vergessen werden, das sei die neue Bewegung und die Zukunft der Republikanischen Partei, fuhr er fort. "Kein Traum ist zu groß, keine Aufgabe zu riesig", sagte der Präsident zum Schluss. "Wir sind Amerikaner, und die Zukunft gehört uns."

China, Russland, vielleicht auch Europa werden bei dem Satz noch ein Wörtchen mitzureden haben. Und trotzdem erhoben sich die Zuschauer frenetisch applaudierend von den Sitzen. Trumps Daumen schossen dankend nach oben, während unzählige rote Kappen durch die Luft schwenkten, auf denen ein Versprechen steht, das am Ende die hohlste Phrase sein kann, falls Trumps Plan schiefgeht: Make America great again.