Russland soll Mittelstreckenraketen im eigenen Land stationiert und damit gegen den sogenannten INF-Vertrag zwischen den USA und Russland aus dem Jahr 1987 verstoßen haben. Dies berichten sowohl die New York Times als auch der US-Sender CNN unter Berufung auf Vertreter der US-Regierung. Demnach handelt es sich um Boden-Luft-Lenkraketen mit einer Reichweite zwischen 500 und 5.500 Kilometern, deren Besitz, Produktion und Test den USA und Russland eigentlich verboten sind. Russland soll die voll funktionsfähigen Raketensysteme bereits im Dezember 2016 stationiert haben.

CNN zitiert aus einem Statement des US-Außenministeriums, wonach "die russische Föderation weiterhin ihre Pflichten aus dem INF-Vertrag" verletzt. Bereits vor drei Jahren hatte die US-Regierung unter Barack Obama Russland beschuldigt, ein verbotenes Raketensystem zu entwickeln und zu testen. Die Führung in Moskau widersprach und sagte, es habe den Pakt nicht gebrochen. Zu den neuen Vorwürfen kam aus dem russischen Verteidigungsministerium bislang keine Stellungnahme.

Derweil berichtet CNN über weitere Provokationen von russischer Seite. Unter anderem soll ein russisches Kriegsschiff vor der Atlantikküste des US-Bundesstaates Delaware aufgetaucht sein. In der vergangenen Woche soll es zudem zu Beinahezusammenstößen zwischen einem US-Kampfschiff und russischen Flugzeugen im Schwarzen Meer gekommen sein. Russland wies diese Berichte zurück.

Die kolportierten russischen Handlungen – der republikanische US-Senator John McCain sprach von einer "bedeutenden Bedrohung für die US-Kräfte in Europa und deren Verbündete" – dürften auch Thema beim Nato-Gipfel sein, der an diesem Mittwoch in Brüssel beginnt. Erstmals wird auch der neue US-Verteidigungsminister James Mattis teilnehmen. Seine Bündnispartner erwarten von ihm nun eine klare Stellungnahme zum Verhältnis Washingtons zur Nato, nachdem US-Präsident Donald Trump die Allianz zuletzt als "obsolet" bezeichnet hatte.

Eine Kernforderung der USA ist dabei, die finanziellen Lasten innerhalb der Nato besser zu verteilen. Dies bekräftigte auch Mattis in seinen jüngsten Äußerungen. So titulierte er die Nato als "erfolgreichste Militärallianz der Geschichte", die ihre Aufgabe, nämlich die Abwehr eines weiteren zerstörerischen Krieges in Westeuropa, erfüllt habe. "Doch die Art der Kriege hat sich im zurückliegenden Dutzend Jahre geändert. Und so muss sich auch die Art, wie sich Armeen dem entgegenstellen, ändern", fügte Mattis hinzu. Kurz vor dem Gipfel hieß es aus Brüssel: "Eine faire Lastenverteilung steht ganz oben auf der Tagesordnung."

Das Nato-Verteidigungsministertreffen ist Auftakt zu einer ganzen Reihe von Terminen der neuen US-Regierung in Europa. Am Donnerstag wird US-Außenminister Rex Tillerson bei einem G20-Treffen in Bonn erwartet. Am Freitag beginnt in München dann die Sicherheitskonferenz, zu der sich unter anderem auch Vizepräsident Mike Pence angekündigt hat.