Russland hat nach Angaben aus US-amerikanischen und ägyptischen Kreisen offenbar Spezialkräfte nach Westägypten in die Nähe der libyschen Grenze verlegt. Das US-Militär habe russische Spezialkräfte und Drohnen auf dem Luftwaffenstützpunkt Sidi Barrani beobachtet, bestätigten amerikanische Militärs der Nachrichtenagentur Reuters. Sidi Barrani liegt im Osten etwa 100 Kilometer von der libyschen Grenze entfernt. 

Dabei könne es sich um Unterstützung für den libyschen Kommandeur Chalifa Haftar handeln, um den sich Russland seit einiger Zeit bemüht. Haftar hatte Anfang März einen Rückschlag erlitten, als in dem Bürgerkriegsland gegnerische Truppen Ölhäfen angriffen, die unter seiner Kontrolle standen. Berichten zufolge hat Haftar jetzt eine Offensive gestartet. Dieser geht es um die Rückeroberung der Stadt Ras Lanuf – wo wichtige Ölterminals stehen –, sagte ein hochrangiger Kommandeur der Truppen Haftars.

In ägyptischen Sicherheitskreisen hieß es, Russland habe eine 22 Mann starke Spezialeinheit an die Grenze zu Libyen entsandt. Anfang Februar habe Russland bereits den ägyptischen Militärstützpunkt Marsa Matruh genutzt. Russische Flugzeuge hätten etwa sechs Militäreinheiten nach Marsa Matruh gebracht, ehe die Maschinen ungefähr zehn Tage später nach Libyen weitergeflogen seien.

Doch Haftar selbst und Russland dementierten. Ein Sprecher von Haftars Truppen sagte, dessen Armee erhalte keine russische Militärhilfe vom Staat oder von privaten russischen Militärfirmen. Es gebe keine russischen Truppen oder Stützpunkte im Osten Libyens. Auch das Verteidigungsministerium in Moskau bestritt, dass es Spezialkräfte in Ägypten hat.

In Libyen herrschen seit dem Sturz von Machthaber Muammar Gaddafi 2011 Chaos und Gewalt. Hunderte Rebellengruppen kämpfen gegeneinander. Die von den UN gestützte Regierung in Tripolis und Haftar blockieren sich gegenseitig. Haftar ist mit der ostlibyschen Regierung verbündet, die gegen die international anerkannte Führung des Landes kämpft.

Die USA und mehrere andere westliche Staaten hatten in den vergangenen beiden Jahren Spezialkräfte und Militärberater nach Libyen geschickt. In Haftars Einflussbereich operierte bis Februar eine bewaffnete Einheit aus mehreren Dutzend privaten Sicherheitsberatern aus Russland, wie der Chef des Unternehmens, das die Sicherheitsberater beschäftigt, der Nachrichtenagentur Reuters bestätigte.

Fuß in die Tür

Die USA sind davon überzeugt, dass Russland seinen Einfluss in Libyen auszuweiten versucht: Russland wolle Macht gewinnen gegenüber demjenigen, der sich letztlich im Land durchsetze, sagte der Kommandeur der US-Truppen in Afrika, General Thomas Waldhauser, vergangene Woche im Senat in Washington. Es sei nicht im Interesse der USA, dies geschehen zu lassen.

Deutschland 2017 - Für wie kompetent halten Sie Donald Trump? Wir haben Menschen in einer Einkaufsstraße in Potsdam nach ihrer Einschätzung zum US-Präsidenten, den USA, Russland und der EU gefragt. © Foto: Zeit Online

Russlands wolle in Libyen wieder einen Fuß in die Tür bekommen, wo die Sowjetunion früher Gaddafi als Verbündeten hatte, hieß es aus US-Geheimdienstkreisen. Laut westlichen Diplomatenkreisen wolle Russland Haftar unterstützen – es gehe der Führung in Moskau jedoch um die Ölgebiete in Libyen.

Ägypten bemüht sich unterdessen, Russland zu überzeugen, die Flüge in das stark vom Tourismus abhängige Urlaubsland wieder aufzunehmen. Die Verbindungen sind ausgesetzt, seit im Oktober 2015 ein Flugzeug auf dem Weg von Scharm al-Scheich nach St. Petersburg durch einen Bombenanschlags abgestürzt war.