Russische Sicherheitskräfte haben den Oppositionspolitiker und Putin-Kritiker Alexej Nawalny bei einer Anti-Korruptions-Demonstration in Moskau festgenommen. Das teilte seine Sprecherin mit. Im Jahr 2018 will Nawalny bei der Präsidentenwahl gegen Wladimir Putin kandidieren. Insgesamt wurden nach Angaben der Menschenrechtsgruppe OWD-Info mehr als 700 Menschen bei den nicht genehmigten Protesten in Moskau festgenommen; die Polizei sprach von rund 500 Festnahmen. Darunter ist nach eigenen Angaben auch ein Journalist des britischen Guardian.

"Alles in Ordnung. Versucht nicht, für mich zu kämpfen", schrieb Nawalny nach seiner Festnahme auf Twitter aus einem Polizeifahrzeug heraus. "Unser Thema ist heute der Kampf gegen Korruption."

Nawalny hatte in 100 russischen Städten zu Protesten gegen Korruption aufgerufen. Die Demonstration im Zentrum Moskaus wurde von der Stadtverwaltung nicht genehmigt. Die Organisatoren hätten alternative Orte am Stadtrand abgelehnt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Für den Fall einer Teilnahme an unerlaubten Demonstrationen hatte die Staatsanwaltschaft Nawalnys Anhängern mit hartem Durchgreifen gedroht. An der nicht genehmigten Demonstration in Moskau nahmen nach Angaben der Polizei mindestens 7.000 Menschen teil.

Grünen-Chef Cem Özdemir hat die Festnahme Nawalnys scharf kritisiert. "Wer seine Sicherheitskräfte missbraucht, um jeden Protest im Keim zu ersticken, ist nicht stark, sondern fürchtet sich vor seinen eigenen Bürgern. Egal, ob er Putin oder Erdoğan heißt", teilte Özdemir mit. An Wladimir Putin adressiert sagte Özdemir weiter: "Irgendwann wird es sich gegen einen selbst richten. Daran wird auch die Verhaftung von Oppositionsführer Alexej Nawalny nichts ändern."

Größte Proteste seit mehreren Jahren

Der prominente Oppositionspolitiker hatte Anfang März in einem Video Regierungschef Dmitri Medwedew der Korruption im großen Umfang bezichtigt. Mit seinem Fonds zur Bekämpfung der Korruption veröffentlichte Nawalny Belege für die angebliche Bestechlichkeit ranghoher Staatsdiener. Das 50-minütige Video wurde von mehr als elf Millionen Menschen angesehen, Medwedew selbst reagierte nicht auf den Bericht. Nawalny prangert in seinem Blog seit Jahren die Korruption russischer Eliten an.

Ein Gericht hatte Nawalny im Februar zu einer Haftstrafe von fünf Jahren auf Bewährung verurteilt. Nawalny hat die Vorwürfe, bei denen es um Unterschlagung geht, zurückgewiesen und angekündigt, in Berufung zu gehen. Er wirft den Behörden vor, ihn mit dem Urteil an der Kandidatur bei der Präsidentenwahl 2018 hindern zu wollen.

Die Demonstrationen gegen Korruption vom Sonntag seien eine der größten koordinierten Aktionen seit den Massenprotesten 2011 und 2012 gegen mutmaßlichen Betrug bei den damaligen Parlamentswahlen, sagten Beobachter. Staatsmedien berichteten bis zum Mittag nicht über die Proteste; in den sozialen Medien und auf Nachrichtenseiten war hingegen von landesweiten Demonstrationen die Rede.

Im Zentrum der sibirischen Stadt Nowosibirsk gingen rund 2.000 Menschen auf die Straße, sie hielten Schilder mit der Aufschrift "Nein zur Korruption" in die Höhe, wie die örtliche Nachrichtenwebsite Sib.fm berichtete. In Krasnojarsk und Omsk demonstrierten rund 1.500 Menschen gegen Korruption. In Wladiwostok, ganz im Osten Russlands, protestierten rund 700 Menschen. Laut der lokalen Website Prima Media wurden rund zehn Menschen festgenommen. In Jekaterinburg im Ural versammelten sich laut der Website Znak.com etwa 1.000 Demonstranten.