US-Präsident Donald Trump hat bei seinem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Vorwürfe zurückgewiesen, die USA wollten sich aus der internationalen Politik und dem freien Handel zurückziehen. "Ich bin kein Isolationist", sagte Trump bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Merkel. Er werde eng mit Deutschland und den anderen Partnern in der Welt zusammenarbeiten. "Ich bin kein Befürworter von Abschottungspolitik", sagte Trump. Wenn dies jemand behaupte, handle es sich um Fake-News.

In seinen Statements lobte Trump die "großartigen Handelsbeziehungen" mit Deutschland. Zugleich machte er aber auch deutlich, dass er die Beziehungen für unausgewogen hält. Deutschland exportiert weit mehr als es aus den USA importiert. Am Handelsüberschuss von 49 Milliarden Euro stören sich die USA schon lange.

Deutschland habe in der Vergangenheit immer gut verhandelt, sagte Trump dazu. Er werde nun dafür sorgen, dass die Verhältnisse gerechter ausfallen. "Wir wollen Fairness, keine Siege." Nach seiner Amtseinführung hatte Trump deutschen Autoherstellern mit hohen Strafzöllen gedroht, falls sie in Mexiko eine Fabrik errichten sollten.

Auch Merkel hob die Notwendigkeit eines fairen Handels hervor. Beide Seiten müssten dabei gewinnen können, sagte die Kanzlerin. Man sehe jetzt schon, welches Potenzial in beiden Volkswirtschaften stecke. Globalisierung müsse aber offen gestaltet werden. Freizügigkeit sei gerade auch für die deutsche Wirtschaft wichtig.

Merkel äußerte die Hoffnung, die derzeit brachliegenden Verhandlungen über das Handelsabkommen TTIP aller EU-Staaten mit den USA wieder aufnehmen zu können. Einem bilateralen deutsch-amerikanischen Handelsabkommen erteilte die von einer Wirtschaftsdelegation begleitete Kanzlerin aber eine deutliche Absage und verwies auf die Einigkeit der Europäischen Union.

Trump will mehr Militärausgaben

Der US-Präsident nutzte das Treffen, um erneut seinen Standpunkt beim Thema Nato deutlich zu machen. Die USA würden das Bündnis stark unterstützen, sagte Trump. Allerdings müssten die Lasten fair verteilt werden. Viele Länder schuldeten dem Verteidigungsbündnis erhebliche Beträge. Das müsse sich rasch ändern. Zugleich dankte Trump seinem Gast für Deutschlands Beitrag im Kampf gegen den Terrorismus, insbesondere gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat".

Merkel sagte zu, die deutschen Verteidigungsausgaben weiterhin in Richtung der in der Nato vorgesehenen zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes erhöhen zu wollen. Darüber hinaus kündigte sie eine Fortsetzung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan an. Auch werde sie sich gemeinsam mit Trump für eine Fortsetzung des Friedensprozesses in der Ukraine einsetzen.

Merkel verteidigte ihre früher von Trump scharf angegriffene Flüchtlingspolitik. Illegale Migration müsse geordnet und gesteuert werden, zudem müssten die Schlepper gestoppt werden. Beim Schutz der Außengrenzen müsse im gegenseitigen Interesse mit den Nachbarn zusammengearbeitet werden. Den Flüchtlingen müssten vor Ort Lebenschancen gegeben werden, "indem wir den Ländern helfen, die heute oft nicht in der Lage sind oder in denen Bürgerkriege herrschen".

Trump hatte Merkel wegen ihrer Entscheidung, 2015 viele syrische Bürgerkriegsflüchtlinge nach Deutschland zu lassen, eine "katastrophal" falsche Flüchtlingspolitik vorgeworfen. Er unterstrich nun seine harte Linie bei der Einwanderung. "Immigration ist ein Privileg, nicht ein Recht", sagte er. Die Sicherheit der USA müsse immer Vorrang haben.

"Sehr guter, offener erster Austausch"

Die Zusammenkunft in Washington ist das erste Treffen Merkels mit dem neuen US-Präsidenten. Es sollte vor allem dem Kennenlernen und der Vertrauensbildung dienen. Die Kanzlerin wollte eine Basis für die künftige Zusammenarbeit mit dem US-Präsidenten schaffen, bevor sie sich im Mai auf dem Nato-Gipfel in Brüssel und auf dem G7-Gipfel auf Sizilien sowie auf dem G20-Gipfel Anfang Juli in Hamburg treffen. Trump hatte Merkel beim Aussteigen aus ihrer Limousine herzlich begrüßt, der Empfang im Oval Office schien jedoch frostig – besonders als Trump einen weiteren Handschlag für die Fotografen verwehrte. Merkel sagte dennoch: "Wir hatten einen sehr guten, offenen ersten Austausch."

Die Kanzlerin wurde von den Vorstandschefs der Unternehmen Siemens, BMW und Schaeffler begleitet. Bei einem runden Tisch mit Unternehmensvertretern und Auszubildenden wurde über die duale Berufsausbildung in Deutschland gesprochen. Trump lobte das deutsche System einer Lehre in Betrieben und Berufsschulen als vorbildlich.