Angesichts protektionistischer Drohungen des US-Präsidenten will Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem ersten persönlichen Treffen mit Donald Trump die Bedeutung freien Handels für die Volkswirtschaften beider Länder und dabei insbesondere das Engagement deutscher Unternehmen in den USA betonen. "Wir Deutschen haben gute Argumente", sagte sie vor ihrer Abreise in einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung mit Blick auf die hohen deutschen Direktinvestitionen in Amerika. "Das größte BMW-Werk steht nicht in Deutschland, sondern in den Vereinigten Staaten und exportiert von dort mehr Autos als GM und Ford zusammen. Das werde ich deutlich machen", sagte die CDU-Vorsitzende.

Für diese selbstbewusste Haltung bekommt die Kanzlerin auch Unterstützung aus dem Kabinett. So machte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries deutlich, dass sich die Bundesregierung auch mit Klagen, etwa bei der Welthandelsorganisation (WTO), gegen protektionistische US-Importzölle erwehren könnte. "Ich setze ein Stück weit auf die Vernunft und ich setze auch auf die Gerichte", sagte die SPD-Politikerin im Deutschlandfunk.

Zypries: "Es wäre nicht das erste Mal, dass Trump scheitert"

"Ich meine, das wäre nicht das erste Mal, dass Herr Trump vor den Gerichten dann scheitert", fügte sie mit Blick auf die Gerichtsentscheidungen gegen die Einwanderungsdekrete der US-Regierung hinzu. Es gebe viele Dinge, "die Trump bisher angekündigt und nicht gemacht hat. Und die, die er gemacht hat, mit denen ist er ja noch nicht so sonderlich erfolgreich gewesen."

Zugleich hob Zypries hervor, dass die USA auf deutsche Importe angewiesen sind: "Die Amerikaner brauchen unsere Maschinen und Anlagen." Trumps Berater würden dem US-Präsidenten sicher deutlich machen, "dass die Amerikaner sich im Zweifel auch ins eigene Fleisch schneiden, wenn sie solche hohen Importzölle verhängen". Sie gehe davon aus, "dass Herr Trump nicht beratungsresistent ist". Die Wirtschaftsministerin kennt aber auch die Bedenken der deutschen Wirtschaft und räumte ein, dass bei dem Termin im Weißen Haus für die hiesigen Konzerne und Unternehmen "einiges auf dem Spiel" stehe. Es müsse nun geklärt werden, welche wirtschaftspolitische Linie die neue US-Regierung verfolge, es gehe darum, "eine verlässliche Basis zu schaffen".

USA - Die wichtigsten Streitpunkte zwischen Merkel und Trump Beim Treffen von Angela Merkel und Donald Trump stehen Differenzen in der Handelspolitik im Vordergrund. Doch es gibt noch weitere Konfliktfelder. © Foto: Michael Kamm, Tobias Schwarz/Getty Images

Ursprünglich wollte Merkel bereits zu Wochenbeginn nach Washington reisen, wegen eines Wintereinbruchs an der US-Ostküste wurde der Besuch jedoch verschoben. Trump empfängt die Kanzlerin nun am Nachmittag zu einem Gespräch über die transatlantische Partnerschaft und internationale Krisen. Im Anschluss soll die Wirtschaftspolitik im Mittelpunkt stehen, an einer Gesprächsrunde nehmen Vertreter von deutschen und US-Unternehmen teil. So wird Merkel von den Vorstandschefs der Unternehmen Siemens, BMW und Schaeffler begleitet.

Vor Abflug Telefonat mit Chinas Präsident

"Zunächst einmal will ich den Präsidenten persönlich kennenlernen", sagte Merkel auf die Frage, was sie sich von dieser Reise erhoffe. Kein Telefonat könne dies ersetzen. Als avisierte Gesprächsthemen nannte die Kanzlerin im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung neben Sicherheitsfragen vor allem auch die internationale Zusammenarbeit, Handel und Wirtschaft. "Und als Gastgeberin des diesjährigen G20-Gipfels werde ich dem Präsidenten die Ziele und Projekte darlegen, die wir uns dafür vorgenommen haben."

Bereits vor ihrer Abreise setzte die Kanzlerin ein deutliches Zeichen Richtung Washington, wo Donald Trump seine Präsidentschaft unter das Motto America First gestellt hat und einer Reihe von Ländern – auch Deutschland – mit Strafzöllen auf deren Importprodukte gedroht hatte: Merkel telefonierte mit Chinas Präsident Xi Jinping, mit dem sie nach Angaben beider Regierungen den gemeinsamen Einsatz für freien Handel und offene Märkte verabredete. Das Weiße Haus wird das Engagement der Kanzlerin aufmerksam zur Kenntnis genommen haben.