Die Polizei hat eine regierungskritische Demonstration in der belarussischen Hauptstadt Minsk mit Gewalt aufgelöst. Mehr als 400 Menschen seien festgenommen worden, sagte eine Sprecherin der Menschenrechtsgruppe Wjasna. Viele von ihnen seien mit Knüppeln geschlagen worden und benötigten medizinische Hilfe. Die Polizei wollte sich dazu nicht äußern. In vier weiteren belarussischen Städten gab es ebenfalls Proteste, auch dort gab es Festnahmen.

Rund 700 Teilnehmer hatten versucht, auf der Hauptstraße von Minsk entlang zu marschieren. Sie wurden jedoch von einer Absperrkette der Polizei gestoppt. Dann wurden der Reihe nach Menschen festgenommen, unter ihnen nach Angaben des belarussischen Journalistenverbandes auch rund 20 Reporter.

"Sie schlagen die Teilnehmer, ziehen die Frauen an den Haaren zu Bussen", berichtete ein Demonstrant. Er selbst habe es geschafft, in einen Hof zu flüchten.

Polizei stürmt Büro von Menschenrechtlern

Jährlich am 25. März gibt es in Belarus landesweite Demonstrationen gegen den autoritären Präsidenten Alexander Lukaschenko. Die Opposition feiert den Tag der Freiheit: Am 25. März 1918 wurde zum ersten Mal die Unabhängigkeit des Landes proklamiert. Die Behörden hatten die Proteste nicht genehmigt.

Zuvor hatten Spezialeinheiten das Büro von Wjasna gestürmt und 57 Mitarbeiter kurzfristig festgenommen, twitterte die Menschenrechtsgruppe. Sie hatten die Proteste, bei denen seit Wochen Menschen im ganzen Land gegen die Regierungspolitik protestierten, beobachtet und dokumentiert.

In Belarus protestieren seit Februar zahlreiche Menschen gegen eine Steuer, die Arbeitslose belasten wird. Lukaschenko hatte ausländischen Geheimdiensten vorgeworfen, die Demonstrationen zu steuern. Er hat in 23 Jahren jeden Widerstand gegen seine Herrschaft erstickt.