Die britische Regierung wird am 29. März den Austritt aus der Europäischen Union einleiten. Das teilte ein Sprecher von Premierministerin Theresa May mit. Demnach soll am kommenden Mittwoch der dazu notwendige formale Antrag gemäß Artikel 50 des Lissabon-Vertrags gestellt und damit die zweijährigen Gespräche über den Brexit in Gang gesetzt werden.

Der Schritt war seit Monaten erwartet worden, nachdem die Briten im vergangenen Juni in einem Referendum mit einer knappen Mehrheit für den EU-Ausstieg votiert hatten. Nun hat sich die Regierung von May für ein Datum nach dem EU-Jubiläumsgipfel am Wochenende in Rom und kurz vor Ablauf der Frist entschieden, um den Brexit-Prozess in die weiteren formalen Bahnen zu lenken. "Wir sind bereit, die Verhandlungen aufzunehmen", sagte ein Sprecher der Brüsseler EU-Kommission. "Wir warten auf den Brief."

Nach Angaben des Regierungssprechers in London wurde die EU am Morgen über den Schritt informiert. Der britische Gesandte in Brüssel, Tim Barrow, habe mit EU-Ratspräsident Donald Tusk telefoniert, der daraufhin per Twitter ankündigte, er werde nach dem Antrag binnen 48 Stunden erste Entwürfe von Verhandlungsleitlinien an die übrigen 27 EU-Staaten verschicken. In einer Erklärung des britischen Brexit-Ministers David Davis heißt es, sein Land befinde sich "an der Schwelle zu der wichtigsten Verhandlung" einer ganzen Generation.

In den kommenden Monaten steht den Experten auf britischer und EU-Seite eine große Aufgabe bevor: Wie die Nachrichtenseite Politico unter Berufung auf Ausschussberichte des EU-Parlaments berichtet, müssen im Rahmen des Austrittsprozesses rund 21.000 EU-Regeln und -Gesetze erörtert werden. Bei etwa 500 Arbeitstagen bis zum Ausscheiden Großbritanniens werden die Verhandlungspartner demnach täglich etwa 40 Gesetze abarbeiten müssen. Ein komplexes und heikles Thema sind die Rechte der fast drei Millionen EU-Ausländer in Großbritannien. Darüber will London möglichst schnell verhandeln – falls den etwa eine Million Briten in Kontinentaleuropa vergleichbare Garantien gegeben werden.

Die Leitlinien für diese Verhandlungen – jene Entwürfe, die Tusk bereits für kurz nach dem Brexit-Antrag der Briten angekündigt hat – wollen die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Mitgliedsländer auf einem Sondergipfel voraussichtlich Anfang Mai beschließen. Im Anschluss dann bittet die EU-Kommission den Europäischen Rat um das Mandat, damit ihr Brexit-Beauftragter Michel Barnier offiziell mit den Verhandlungen beginnen kann.

Ihm zufolge müssen die eigentlichen Gespräche bis Oktober 2018 abgeschlossen sein, damit der Austrittsvertrag rechtzeitig vor den Europawahlen im Mai oder Juni 2019 von beiden Seiten ratifiziert werden kann. Die EU-Mitgliedschaft der Briten endet also voraussichtlich im Frühsommer 2019 – nach dann 46 Jahren. 1973 war das Vereinigte Königreich zunächst dem Vorläufer der EU beigetreten und wird nun der erste europäische Staat sein, der die EU wieder verlässt.

Europäische Union - Schottische Fischer sind für den Brexit Die Fischer von den schottischen Shetland-Inseln machen EU-Regulierungen für den schlechten Zustand ihrer Branche verantwortlich. Sie hoffen, vom Brexit zu profitieren. © Foto: Andy Buchanan/AFP/Getty Images