Angesichts des angespannten Verhältnisses zur Türkei hat der CSU-Politiker Florian Hahn einen Abzug der Bundeswehr vom türkischen Stützpunkt Incirlik gefordert. In der gegenwärtigen "aufgeheizten Atmosphäre" sei es zunehmend unsicher, ob die türkische Regierung den Schutz der deutschen Soldaten in Incirlik "umfassend gewähren kann und will", sagte der außen- und sicherheitspolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe der Bild am Sonntag.

Die Bundesregierung solle deshalb alle Investitionen in die Infrastruktur des Luftwaffenstützpunkts stoppen und damit beginnen, die dort stationierten Tornados zu verlegen, sagte Hahn. Deutschland dürfe nicht zulassen, dass die Bundeswehr zum Faustpfand von Machtspielen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan werde. Alternativ könnten die Bundeswehr-Tornados auch im jordanischen Amman stationiert werden, schlug der CSU-Politiker vor.

Unterstützung bekam Hahn von der Linkspartei. "Angesichts der aktuellen Entwicklungen in der Türkei ist es überfällig, die Tornados und die Bundeswehrsoldaten von Incirlik abzuziehen und Waffenlieferungen an die Türkei sofort zu stoppen", sagte Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP.

"Wir freuen uns, dass die CSU mal eine Forderung der Linken übernimmt", betonte Wagenknecht. "Jetzt muss sie das nur noch in der Regierung durchsetzen."

Im Rahmen des internationalen Einsatzes gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) befinden sich Aufklärungsflugzeuge der Bundeswehr auf dem Stützpunkt am Rande der südtürkischen Großstadt Adana.

Im vergangenen Jahr hatte Ankara deutschen Abgeordneten aus Ärger über eine Resolution des Bundestags, in der die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord eingestuft worden waren, den Zugang zu dem Stützpunkt verweigert. Daraufhin drohte Berlin mit dem Abzug der dort stationierten Tornados. Der Streit wurde erst nach mehreren Monaten beigelegt.

In den vergangenen Tagen hatten mehrere deutsche Kommunen Wahlkampfauftritte von türkischen Ministern abgesagt. In Ankara löste dies große Verärgerung aus, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan warf Deutschland "Nazi-Methoden" vor. Dies stieß in Berlin auf Kritik.