Der frühere CIA-Chef David Petraeus hat US-Präsident Donald Trump für dessen Äußerungen zur Europäischen Union kritisiert. "Ganz eindeutig liegt die EU in Amerikas Interesse", sagte der Viersternegeneral der ZEIT. "Das geeinte Europa ist in der Welt mächtig geworden." Er glaube nicht, dass der Brexit den USA oder der EU guttun werde.

Trump hatte sich in der Vergangenheit wiederholt kritisch zur EU geäußert. Den geplanten Austritt Großbritanniens hatte er als "fantastisch" bezeichnet. Zuletzt hatte er seine Aussagen allerdings relativiert.

Auch Trumps Maßgabe "America first" sieht Petraeus kritisch. "Alle Staatsführer räumen ihren nationalen Interessen Vorrang ein", sagt Petraeus der ZEIT. "Das darf aber nicht heißen, dass man am Ende ohne Partner dasteht." Die internationale Ordnung, "die auf gemeinsamen Normen, Werten, Prinzipien und Institutionen beruht, auf Freiheitsrechten, Demokratie und Freihandel", sei enorm wichtig. "Wir dürfen niemals vergessen, dass die Nachkriegsordnung die Antwort auf zwei furchtbare Weltkriege und eine verheerende Weltwirtschaftskrise war."

USA - Die wichtigsten Streitpunkte zwischen Merkel und Trump Beim Treffen von Angela Merkel und Donald Trump stehen Differenzen in der Handelspolitik im Vordergrund. Doch es gibt noch weitere Konfliktfelder. © Foto: Michael Kamm, Tobias Schwarz/Getty Images

Lob für die deutsche Flüchtlingspolitik

Petraeus lobte vor dem Besuch von Angela Merkel in Washington am Freitag die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin. Deutschland sei "auf eine sehr beeindruckende Weise mit dem Flüchtlingsproblem umgegangen". Trump hatte Merkels Vorgehen "katastrophal" genannt.

Petraeus zählt zu den prominentesten Militärs in den USA. Er war Oberbefehlshaber der US-Truppen im Irak, der Nato-Kräfte in Afghanistan und Chef des US-Zentralkommandos. 2012 trat er als Chef des Auslandsgeheimdiensts CIA zurück, weil er einer Geliebten vertrauliche Informationen weitergegeben hatte. Dafür wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt. Im Zuge von Trumps Kabinettsbildung war er als Außenminister und Nationaler Sicherheitsberater im Gespräch gewesen.