Die Anwälte des in der Türkei verhafteten Welt-Journalisten Deniz Yücel haben Widerspruch beim türkischen Verfassungsgericht eingereicht. Das teilte die Welt am Mittwoch mit. Die beiden Anwälte, Veysel Ok und Ferat Çağıl, wollen damit die Entlassung Yücels aus der Untersuchungshaft erwirken. Anfang März hatten die beiden bereits Widerspruch gegen die Verhaftung bei einem Gericht in Istanbul eingereicht. Der Antrag wurde vor zwei Wochen abgelehnt. Das Verfassungsgericht ist nun die letzte nationale Instanz.

Ok und Çağıl argumentieren demnach in ihrem Antrag, die Inhaftierung Yücels verletze sein Recht auf körperliche Unversehrtheit und seine persönliche Freiheit, das Recht auf ein faires Verfahren, sein Recht auf die Unschuldsvermutung, sein Recht auf Schutz vor Verleumdung, das Recht auf Privatsphäre und freie Kommunikation sowie seine Meinungsfreiheit.

Zudem heißt es, zur Begründung von Yücels Untersuchungshaft beziehe sich die türkische Justiz auf von Yücel verfasste Artikel, die durch die Presse- und Meinungsfreiheit gedeckt würden. Zudem seien die meisten der angeführten Artikel nach türkischem Recht bereits verjährt.

Gegen Yücel war am 27. Februar Haftbefehl erlassen worden. Ihm werden Terrorpropaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und die Gülen-Bewegung sowie Volksverhetzung vorgeworfen. Die türkische Führung macht die Bewegung um den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch vom vergangenen Juli verantwortlich. Der deutsch-türkische Journalist hatte sich im vergangenen Monat selber ins Polizeipräsidium in Istanbul begeben, weil nach ihm gefahndet worden war. Der 43-Jährige war vor der Verhaftung zunächst 13 Tage in Polizeigewahrsam.

Zuletzt hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vergangene Woche bei seiner Antrittsrede die Freilassung Yücels gefordert. Doch alle diplomatischen Bemühungen der Bundesregierung blieben bislang erfolglos.