Laut Österreichs Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil ist die Balkanroute nicht komplett abgeriegelt. "Wenn man es mit dem Jahr 2015 vergleicht, dann ist es natürlich ein Erfolg, dass dieses Durchwinken vorbei ist", sagte der Sozialdemokrat der Bild-Zeitung. Viel mehr sei jedoch noch nicht erreicht worden.

Der SPÖ-Politiker warnte davor, den Erfolg der Flüchtlingskrise nur am Jahr 2015 zu messen. "Um es klar zu sagen: Wir müssen uns die Jahre vorher ansehen, und im Vergleich dazu sind wir deutlich über dem Durchschnitt, steuern noch immer auf eine Verdopplung der Zahlen zu", sagte Doskozil. Österreich habe "von 2007 bis 2013 im Durchschnitt 14.400 Asylanträge im Jahr" gezählt. Nun seien die Zahlen deutlich höher: 2016 seien mehr als 42.000 Flüchtlinge nach Österreich gekommen. "Und allein in den ersten fünf Wochen diesen Jahres hat es 3.000 Ankünfte und 2.000 Asylanträge gegeben – 75 Prozent davon von Migranten, die über die Balkanroute gekommen sind."

Der slowenische Vize-Innenminister Boštjan Šefic sprach ebenfalls von großem Druck auf der Balkanroute. "Allein in Griechenland sitzen 60.000 Flüchtlinge fest", sagte Šefic. Auch in Serbien und Bulgarien würden sich viele Flüchtlinge aufhalten. Zwar seien die Zahlen gesunken, doch könne nicht von dichten Grenzen gesprochen werden. "Dazu sind dort noch immer zu viele Menschen unterwegs." Zugleich warnte Šefic vor "enormen Herausforderungen" für den Fall, dass es bei der Umsetzung des EU-Türkei-Abkommens zu Problemen kommen sollte.

Balkanroute - So viele Flüchtlinge sitzen in Südeuropa fest Seit fast einem Jahr ist die Balkanroute für Flüchtlinge faktisch geschlossen. Entlang der Strecke leben noch immer Geflüchtete unter schwierigen Bedingungen.

Flüchtlingszahlen in Deutschland

In Deutschland ist die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge zuletzt leicht gesunken. Im Februar reisten laut Innenministerium knapp 14.289 Flüchtlinge nach Deutschland, im Januar waren es 14.476. Die meisten Menschen kamen aus Syrien, dem Irak und Eritrea.

Die Zahl der neu gestellten förmlichen Asylanträge beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) lag im Februar bei knapp 16.568 – das sind 51.229 weniger als im Februar 2016 und 1.396 weniger als im Januar 2017.