Mit einer gemeinsamen Initiative wollen europäische und nordafrikanische Länder Migranten an der Überfahrt nach Europa hindern. Dies haben die Innenminister unter anderem aus Italien, Deutschland, Frankreich, Österreich, Malta und Slowenien mit Vertretern aus Tunesien und Libyen während eines gemeinsamen Treffens in Rom vereinbart. Als erster Schritt soll eine ständige Kontaktgruppe gegründet werden, die über Maßnahmen zur Stärkung der Küstenwache und des Grenzschutzes vor allem in Libyen beraten soll. 

"Wir wollen versuchen, aus dem Gegeneinander – hier die Europäer, dort die Nordafrikaner – eine Gemeinsamkeit zu stiften", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière in Rom, wo der CDU-Politiker und seine Kollegen auf Initiative Italiens zusammengekommen waren. De Mazières italienischer Kollege Marco Minniti dämpfte allerdings die Erwartungen. "Natürlich haben wir nicht alles gelöst und niemand von uns hat eine Lösung schon in der Tasche", sagte er. Aber es gehe darum, gemeinsam zu handeln, Fluchtursachen in afrikanischen Ländern zu bekämpfen und die Flüchtlinge besser zu schützen.

Die beteiligten Staaten müssten versuchen, die Menschen aufzuhalten, "sich durch Libyen auf den Weg zu machen", sagte de Maizière. "Das Ziel ist, das Geschäftsmodell der Schlepper und Schleuser zunichte zu machen." An die Migranten müssten klare Botschaften gesendet werden: dass der Weg durch Libyen schwer ist, sie an der Küste von ihrer Flucht abgehalten werden und sie in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden, sollten sie es bis nach Europa schaffen.  

Italien fordert Unterstützung aus der EU

Trotz dieser Appelle, trotz unterschiedlicher Gipfel und zahlreicher Erklärungen zur Migration begeben sich immer noch Tausende Menschen auf die lebensgefährliche Überfahrt von Libyen. Allein die libysche Marine rettete am Montagmorgen etwa 200 Menschen. Weitere 215 Menschen hatte sie bereits am Sonntag aufgegriffen. 

Insgesamt wurden am Wochenende mehr als 3.000 Menschen innerhalb von 24 Stunden bei mehr als 20 Operationen geborgen. Die deutsch-französisch-italienische Initiative SOS Méditerranée rettete dabei nach eigenen Angaben 1.000 Migranten, darunter fast 200 Kinder und Jugendliche, von neun Booten.

Italien ist von der Flüchtlingskrise besonders betroffen, da dort derzeit die meisten Menschen aus Afrika über das Mittelmeer ankommen. Seit Jahresbeginn waren es nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration rund 16.000. Mehr als 520 starben bei der Fahrt. Italiens Ministerpräsident Paolo Gentiloni forderte mehr Engagement anderer EU-Staaten. "Nicht nur die Geografie entscheidet, wer sich auf gemeinsamem Territorium einbringt." 

Die Europäische Kommission sagte der italienischen Küstenwache etwa zwölf Millionen Euro zu, um die Rettungsaktionen zu unterstützen. Für Dimitris Avramopoulos, EU-Kommissar für Migration und Inneres, ist die Stabilisierung des libyschen Staates der Schlüssel für die Lösung der Migrationskrise. Denn die Lage in dem Bürgerkriegsland ist denkbar schwierig: Trotz vor allem westlicher Unterstützung schaffte es die unter UN-Vermittlung aufgestellte Einheitsregierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch im vergangenen Jahr nicht, ihre Machtbasis zu festigen. Gleich zwei Gegenregierungen untergraben seinen Führungsanspruch.