Die japanische Regierung und der Stromversorger Tepco müssen 62 Betroffenen der Nuklearkatastrophe von Fukushima vom März 2011 Entschädigungen zahlen. Das entschied ein Bezirksgericht in Maebashi nördlich von Tokio. Das Gericht sprach den Klägern Entschädigungszahlungen in Höhe von umgerechnet insgesamt knapp 317.000 Euro zu, blieb damit allerdings weit unter der Forderung der Kläger. 

Der Staat und die Betreiberfirma des Atomkraftwerks hätten fahrlässig gehandelt, hieß es in dem Urteil zur Begründung. Der Staat trage eine Mitschuld an dem Unglück, das "vermeidbar" gewesen wäre.

Vor sechs Jahren hatte nach einem schweren Erdbeben ein Tsunami Japans Nordostküste getroffen. Er führte in der Atomanlage von Fukushima zu einer Kernschmelze, bei der radioaktive Strahlung austrat. Es war der schwerste Unfall in einem Atommeiler seit der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986.

Das Gericht hielt dem Kraftwerksbetreiber und der Regierung schwere Versäumnisse vor. Tepco habe Tsunami-Sicherheitsmaßnahmen ignoriert, obwohl der Konzern gewusst habe, dass ein Risiko von Tsunamis bestehe. Die Regierung wiederum hätte die Katastrophe verhindern können, wenn sie Tepco zu präventiven Sicherheitsmaßnahmen gedrängt hätte. Sie habe versäumt, den Versorger zu überwachen.

80.000 Menschen können nicht zurück

Wegen der austretenden Strahlung mussten Tausende ihre Häuser verlassen, darunter auch die 62, denen die Regierung und Tepco nun Schadensersatz zahlen müssen. Knapp 80.000 Evakuierte können aufgrund der radioaktiven Verstrahlung nicht in ihre Häuser zurück. Insgesamt haben mehr als 10.000 Betroffene Klage erhoben, die noch laufen.

Japan - Aus Fukushima geflohen und dann ausgegrenzt "Ist deine Strahlung nicht ansteckend?" Viele Fukushima-Flüchtlinge, die nach dem Tsunami und dem Atomunfall im März 2011 ihr Zuhause verlassen mussten, erleben Stigmatisierung, Ausgrenzung und Beleidigungen. © Foto: AFP

Zwar ergingen im Zusammenhang mit der Katastrophe bereits Urteile, es war nun aber laut japanischen Medien das erste Mal, dass Regierung und AKW-Betreiber gemeinsam zur Rechenschaft gezogen wurden. Tepco teilte mit, man werde das Urteil prüfen und dann über weitere Schritte entscheiden. Ein Regierungssprecher wollte sich zu dem Urteil zunächst nicht äußern, stellte aber klar, dass es keine Auswirkungen auf die japanische Atompolitik haben werde.

Infografik: Der Zustand des Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi

  • März 2011
  • Heute

500 m

Japan

Der Boden der Anlage ist mit Beton versiegelt, damit radioaktive Teilchen nicht einsickern oder aufgewirbelt werden.

Zur Detailansicht

Gebäude der Reaktoren 5 und 6

Gebäude der Reaktoren 1 bis 4

Neben einem neuen Bürogebäude gibt es für die mehr als 1.000 Arbeiter Unterkünfte und einen Supermarkt.

In Hunderten Tanks lagert radioaktiv belastetes Kühlwasser.

100 m

Roboter untersuchen die Schäden in den Reaktoren. Wegen der hohen Strahlung versagten zuletzt im Februar 2017 zwei der Maschinen im Block 2.

Eine Eiswand im Boden um die Reaktorblöcke soll verhindern, dass Grundwasser unter die Anlage fließt und Radioaktivität ins Meer spült.

Seit Juli 2013 ist Reaktorgebäude 4 ummantelt. Bis Dezember 2015 konnten alle Brennstäbe aus dem Abklingbecken entfernt werden.

Satellitenbild vom 12. November 2015

500 m

Japan

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Gebäude der Reaktoren 5 und 6

Gebäude der Reaktoren 1 bis 4

11. März 2011, 14.46 Uhr Ortszeit:

Ein Beben der Stärke 9 ereignete sich vor Japan. Mehrere Tsunamis, bis zu 14 Meter hohe Wellen, trafen innerhalb einer Stunde das AKW Fukushima-Daiichi.

100 m

Die Reaktorblöcke 5 und 6 wurden von dem Beben und den Tsunamis kaum beschädigt. Sie waren nicht in Betrieb.

Rund 80 Prozent der ausgetretenen Radioaktivität wehte aufs Meer.

12. März 2011, 15.36 Uhr:

Eine Wasserstoff­explosion zerfetzte die Betonhülle des überhitzten Reaktorgebäudes 1.

Aus Reaktor 2 entwich die größte Menge radioaktiver Stoffe beim Versuch, ihn zu stabilisieren.

14. März 2011, 11.01 Uhr: Entzündeter Wasserstoff sprengte das Gebäude von Reaktor 3.

15. März 2011, 6.14 Uhr:

Explosiver Wasserstoff aus Block 3 zerriss das Dach von Reaktor 4 und legte das Abklingbecken mit gelagerten Brennstäben frei.

Satellitenbild vom 17. März 2011

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Der Boden der Anlage ist mit Beton versiegelt, damit radioaktive Teilchen nicht einsickern oder aufgewirbelt werden.

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Gebäude der Reaktoren 1 bis 4

Neben einem neuen Bürogebäude gibt es für die mehr als 1.000 Arbeiter Unterkünfte und einen Supermarkt.

In hunderten Tanks lagert radioaktiv belastetes Kühlwasser.

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Roboter untersuchen die Schäden in den Reaktoren. Wegen der hohen Strahlung versagten zuletzt im Februar 2017 zwei der Maschinen im Block 2.

Eine Eiswand im Boden um die Reaktorblöcke soll verhindern, dass Grundwasser unter die Anlage fließt und Radioaktivität ins Meer spült.

Seit Juli 2013 ist Reaktorgebäude 4 ummantelt. Bis Dezember 2015 wurden alle Brennstäbe aus dem Abklingbecken entfernt.

Satellitenbild vom 12. November 2015

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11. März 2011, 14.46 Uhr Ortszeit:

Ein Beben der Stärke 9 ereignete sich vor Japan. Mehrere Tsunamis, bis zu 14 Meter hohe Wellen, trafen innerhalb einer Stunde das AKW Fukushima-Daiichi.

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Die Reaktorblöcke 5 und 6 wurden von dem Beben und den Tsunamis kaum beschädigt. Sie waren nicht in Betrieb.

Rund 80 Prozent der ausgetretenen Radioaktivität wehte aufs Meer.

12. März 2011, 15.36 Uhr:

Eine Wasserstoff­explosion zerfetzte die Betonhülle des überhitzten Reaktorgebäudes 1.

Aus Reaktor 2 entwich die größte Menge radioaktiver Stoffe beim Versuch, ihn zu stabilisieren.

14. März 2011, 11.01 Uhr: Entzündeter Wasserstoff sprengte das Gebäude von Reaktor 3.

15. März 2011, 6.14 Uhr:

Explosiver Wasserstoff aus Block 3 zerriss das Dach von Reaktor 4 und legte das Abklingbecken mit gelagerten Brennstäben frei.

Satellitenbild vom 17. März 2011

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