Die USA haben erstmals Anklage gegen russische Geheimagenten wegen eines Cyberangriffs erhoben. Wie das Justizministerium in Washington mitteilte, sind vier Männer – darunter zwei Mitglieder des russischen Geheimdienstes FSB – verantwortlich für den Hackerangriff 2014 auf den Internetanbieter Yahoo. Bei dem Angriff waren die Daten von 500 Millionen E-Mail-Konten erbeutet worden.

Die amtierende Vize-Justizministerin Mary McCord sagte, die Täter hätten es unter anderem auf Diplomaten und Militärs abgesehen. Die russischen Agenten hätten auf Geheiß ihres Dienstes gehandelt.

Das Justizministerium nannte Dmitri Dukatschaew und seinen Vorgesetzten Igor Suschtschin als die beiden angeklagten FSB-Mitglieder. Bei den anderen Männern handle es sich um den bereits länger gesuchten Computerhacker Alexsej Belan und den in Kasachstan geborenen Kanadier Karim Baratow. Dieser sei am Dienstag in Kanada verhaftet worden. Belan sei 2013 in Europa festgenommen worden, konnte jedoch einer Auslieferung in die USA durch die Flucht nach Russland entkommen.

Zwischen den Regierungen in Washington und Moskau gibt es kein Auslieferungsabkommen. McCord sagte, sie hoffe trotzdem auf die Kooperation der russischen Behörden.

Yahoo wurde in den vergangenen Jahren Opfer von mindestens zwei großen Cyberangriffen. Dabei verschafften sich Hacker 2013 Zugang zu etwa einer Milliarde Nutzer-Konten und 2014 zu den E-Mail-Konten. Beim wohl größten Datendiebstahl der Geschichte wurden damals vermutlich Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Informationen zu Geburtstagen und Sicherheitsfragen zur Feststellung der User-Identität erbeutet. Auch Passwörter könnten entwendet worden sein.

Komplizierte russisch-amerikanische Beziehungen

Die Anklage fällt in eine Zeit komplizierter russisch-amerikanischer Beziehungen. Die US-Behörden werfen Russland vor, im US-Wahlkampf in die Computer der Demokraten eingedrungen zu sein. Eine Verbindung von diesem Fall zu dem um Yahoo werde in der neuen Anklage nicht unterstellt, sagte McCord. Die Regierung in Moskau weist die Vorwürfe zurück. Zudem steht US-Justizminister Jeff Sessions wegen Kontakten zu Russland im Wahlkampf unter Druck. 

Sollten tatsächlich russische Beamte angeklagt werden, wäre es das erste Mal, dass russische Staatsdiener in einem solchen Fall vor Gericht gestellt werden.