James Comey ist der Mann, der mögliche Verbindungen zwischen Trumps Wahlkampfteam und dem Kreml untersuchen soll. Doch der FBI-Chef hat es nicht nur geschafft, zwischen alle politischen Fronten zu geraten, sondern auch Zweifel an seiner Kompetenz zu wecken.

Am Montag musste Comey nach Wochen der Spekulationen vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses aussagen. Der Ausschuss hat eine von mehreren Untersuchung eingeleitet, die klären sollen, welchen Umfang und welche Bedeutung Wladimir Putins Einfluss auf die US-Wahlen im November hatte. Comey hatte für sein Publikum nicht nur eine spektakuläre Enthüllung parat, sondern gleich zwei. Nach einer langen Vorrede, in der der Zweimetermann umständlich erläuterte, dass das FBI über laufende Ermittlungen nicht sprechen könne, holte Comey Luft und sagte, das FBI untersuche seit Monaten die mögliche Koordination zwischen der Regierung in Moskau und dem Trump-Team während der Wahl. Das allein wäre schon genug Munition für Trumps Kritiker und die oppositionellen Demokraten gewesen. Doch Comey legte nach. Der Vorwurf von Präsident Trump, sein Vorgänger Obama habe ihn im Trump Tower abhören lassen, wie Trump mehrfach wiederholt hat, lasse sich durch nichts belegen. Ein weiterer Schlag gegen den Mann im Weißen Haus.

Dass ein FBI-Direktor derart offen über die Tätigkeit und den Kenntnisstand der sonst so undurchsichtigen Behörde spricht, wäre eine Sensation an sich. Dass er sich dazu öffentlich mit einem frisch gewählten Präsidenten anlegt, hätte geradezu historische Dimensionen. Wenn Comey die Messlatte für diese Kategorie im vergangenen Jahr nicht selbst weit nach oben gelegt hätte.

James Comey - FBI prüft Trump-Russland-Verbindung Das FBI ermittelt wegen möglicher russischer Wahlkampfeinmischungen auch gegen Trumps Team. Für Trumps Vorwurf, er sei abgehört worden, sieht FBI-Chef Comey keine Belege. © Foto: Joshua Roberts/Reuters

Da war Comey mit der Untersuchung von Hillary Clintons Nutzung ihres privaten Servers für offizielle und teilweise auch der Geheimhaltung unterliegende E-Mails betraut. Als amtierende Außenministerin war die Servernutzung ein Verstoß gegen die Regeln des Ministeriums und ihres Amtes. Die Frage, die Comey klären sollte: Hatte sich Clinton auch strafbar gemacht? Der Skandal überschattete Clintons Wahlkampf fast von Beginn an. Nach einer Ermittlung, die angeblich 20 Millionen Dollar gekostet und sich über ein Jahr lang hingezogen hatte, trat Comey Anfang Juli 2016 vor die Presse. Kein ernst zu nehmender Strafverfolger würde angesichts der vorliegenden Erkenntnisse seiner Agenten ein strafrechtliches Verfahren einleiten, sagte er. Ungewöhnlich daran war, dass es eigentlich die Aufgabe des US-Justizministers gewesen wäre, diese Entscheidung zu treffen. Doch Obamas Justizministerin Loretta Lynch zeigte sich zurückhaltend in der E-Mail-Affäre. Grund war ein Treffen, kurz vor Comeys Pressekonferenz, zwischen ihr und Bill Clinton bei einem Zwischenstopp auf dem Rollfeld in Phoenix. Beide beteuerten, es sei ein Schwatz unter alten Freunden gewesen, die sich zufällig begegnet seien.

Obwohl sich Lynch nicht offiziell aus dem Fall zurückzog, überließ sie offenbar Comey die Initiative. Der nutzte seinen Auftritt, um Clinton strafrechtlich zu entlasten, sie gleichzeitig aber harsch für ihren laxen Umgang mit kritischen Informationen zu kritisieren. Clintons Wahlkampfteam war dennoch froh, einem drohenden Verfahren zu entgehen. Dagegen reagierten die Republikaner wütend. Sie vermuteten politische Gründe hinter Comeys Entscheidung. Damit war seine Rolle während der erbitterten Wahl keineswegs zu Ende. Vier Monate später – und nur elf Tage vor dem Wahltermin – schrieb Comey einen Brief an den Kongress: Er sehe sich gezwungen, die Ermittlungen gegen Clinton wieder aufzunehmen. Es seien neue E-Mails aufgetaucht. Die Botschaft war vage. Er wolle niemanden irreführen, so Comeys Begründung für die spärlichen Details.

Es sickerte durch, dass es sich um E-Mails handelte, die auf dem Rechner von Anthony Weiner, einem ehemaligen Kongressabgeordneten und dem Ehemann von Clintons engster Vertrauten Huma Abedin, gefunden wurden. Die Agenten hatten Weiner eigentlich wegen illegaler sexueller Textnachrichten an eine Minderjährige im Visier. Die Medien und Clintons Rivale Trump stürzten sich darauf. "Sperrt sie ein", wurde ein Schlachtruf bei seinen Wahlveranstaltungen. Am Sonntag vor der Wahl meldete sich der FBI-Chef dann noch einmal in der Angelegenheit. "Nichts gefunden", lautete da seine Botschaft. 

Comey ermittelte gegen Bill Clinton

Nachvollziehbar, dass die Demokraten nun Comey im Verdacht hatten, die Wahl zugunsten von Donald Trump zu manipulieren. Zumal Comey, der früher Republikaner war, bereits mehrfach gegen die Clintons ermittelt hatte. Er ging als juristischer Berater des Senatsuntersuchungsausschusses Mitte der neunziger Jahre Betrugsvorwürfen im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften nach. Aus der sogenannten Whitewater-Affäre wurden schließlich der Lewinsky-Skandal und das Amtsenthebungsverfahren gegen Clinton. Später ermittelte Comey gegen Bill Clinton, nachdem dieser den Rohstoffhändler Marc Rich begnadigt hatte. Rich saß im Gefängnis wegen seiner verbotenen Geschäfte mit dem Iran und anderen Ländern, gegen die zu dem Zeitpunkt Sanktionen galten. Comey ließ die Untersuchung schließlich fallen. Interessanterweise war es Comey, der ursprünglich mit gegen Rich ermittelt hatte.

Zu Prominenz verhalf Comey ein Besuch im Krankenhaus im März 2004. Es ging dabei um die Abhörpraktiken der Regierung von George W. Bush. Comey, der von Bush zur Nummer zwei im Justizministerium ernannt worden war, sagte vor dem Kongress später aus, er habe das breite Ausspionieren für unzulässig gehalten. Als er erfahren habe, dass Befürworter der Programme die Unterschrift des schwer kranken und bettlägerigen Justizministers John Ashcroft einholen wollten, um sie trotzdem zu verlängern, sei er ihnen zuvorgekommen. Er sei buchstäblich ins Krankenhaus gerannt, um die Unterschrift am Bett Ashcrofts zu verhindern. Er sei bereit gewesen, deswegen zurückzutreten.

Inzwischen sind Zweifel aufgekommen, dass Comey tatsächlich ein totaler Gegner der Abhörprogramme war, wie er es später darstellte. Aus internen Unterlagen will der britische Guardian erfahren haben, dass Comey lediglich juristische Bedenken wegen einzelner Teile hatte. Das würde auch erklären, warum Comey später die Maßnahmen abzeichnete. Doch Comey hatte sich den Ruf eines Aufrechten verschafft; eines Staatsdieners, der sich durch die Machtspiele in Washington nicht beeinflussen lässt. Das mag Präsident Obama bewegt haben, Comey 2013 zum FBI-Chef zu machen. Damals genoss der Jurist das Vertrauen beider Parteien und einen exzellenten Ruf. Davon ist nun wenig übrig. Egal, was die FBI-Ermittlungen ergeben: Dank Comeys Suche nach dem Scheinwerferlicht wird er einen langen Schatten darauf werfen.