Soldaten der UN-Friedensmission im Kongo (Monusco) haben bereits am Montag in der Provinz Kasai mehrere Leichen entdeckt. Jetzt haben die UN bestätigt, dass zwei ihrer Ermittler und deren einheimischer Dolmetscher unter den Opfern identifiziert wurden. Die Mitarbeiter galten seit zwei Wochen als vermisst.

Der US-Amerikaner Michael Sharp und die Schwedin Zaida Catalán hatten in Begleitung des kongolesischen Dolmetschers Betu Tshintela in der zentralkongolesischen Region Kasai wegen Menschenrechtsverletzungen ermittelt. Sie hätten ihr Leben verloren, weil sie versucht hätten, die Gründe des Konflikts und der Unsicherheit im Kongo zu verstehen – sie hätten helfen wollen, den Menschen dort Frieden zu bringen, sagte UN-Generalsekretär António Guterres. Deutsche und internationale Journalisten, die Sharp und Catalán kannten, beschrieben sie als äußerst erfahren.

Die UN kündigte an, die Tötungen zu untersuchen. Auch nach dem Fahrer Isaac Kabuayi und zwei weiteren verschwundenen Einheimischen aus dem Team werde noch gesucht. Die kongolesische Regierung war davon ausgegangen, dass Sharp, Catalán und ihr Team von Rebellen entführt worden waren.   

USA wollen trotz Gewalteskalation Truppen kürzen

Sharp und Catalán seien die ersten Mitarbeiter einer internationalen Hilfsorganisation, die in der Kasai-Provinz verschwunden seien, teilte die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch mit. Es handelte sich bei den Opfern gar um die ersten verschwundenen UN-Mitarbeiter im Kongo überhaupt. Der 1999 ins Leben gerufene UN-Einsatz ist die am längsten andauernde und teuerste Friedensmission der Vereinten Nationen.

Der Tod der UN-Ermittler passiert zu einer kritischen Zeit im zentralafrikanischen Land: Der UN-Sicherheitsrat entscheidet am Mittwoch über über die Verlängerung des Mandats der UN-Stabilisierungsmission Monusco. Fast 19.000 Blauhelmsoldaten sollen in der Demokratischen Republik Kongo für Sicherheit sorgen.

Den USA unter Präsident Donald Trump ist das allerdings zu viel. US-Diplomaten wollen die Truppenstärke und das Budget der Friedensmission Monusco kürzen, wie vor der Verhandlung im UN-Sicherheitsrat bekannt wurde.

Truppen abzuziehen wäre zurzeit aus Sicht der UN die schlechteste Idee – UN-Generalsekretär Guterres will die Polizeieinheiten eigentlich sogar noch aufstocken. Teile des Kongos, vor allem der Osten, erleben seit Jahrzehnten gewaltsame Konflikte und Unsicherheit. Seit vergangenem Jahr weitet sich die Gewalt in der Provinz Kasai jedoch aus.

Wahlen seit Monaten aufgeschoben

Die Miliz der Kamwina Nsapu kämpft seit vergangenem Jahr gegen Sicherheitskräfte und die Zentralregierung unter Präsident Joseph Kabila. Die Gewalt verschlimmerte sich, als der Anführer der Miliz im August 2016 getötet wurde. Bei Zusammenstößen von Milizen und Sicherheitskräften sind seitdem mehr als 400 Menschen ums Leben gekommen, schätzt die UN. Rund 200.000 Menschen sind demnach auf der Flucht. Die Vereinten Nationen werfen den Rebellen zahlreiche Gräueltaten und die Rekrutierung von Kindersoldaten vor. Am vergangenen Wochenende töteten Anhänger der Miliz bei einem Angriff Dutzende Polizisten.

Gleichzeitig gibt es politische Konflikte um Präsident Kabila in der Hauptstadt Kinshasa. Kabila blieb über das Ende seines zweiten Mandats am 20. Dezember hinaus im Amt. Die UN forderten die Regierung auf, gemäß dem Übergangsabkommen umgehend einen Regierungschef aus den Reihen der Opposition einzusetzen. Der UN-Sender Radio Okapi berichtete am Dienstag von Straßensperren in Kinshasa. Auch in anderen Städten des Landes war die Lage demnach angespannt, Busse und Taxis fuhren nicht, Schulen blieben geschlossen.

Am Dienstag scheiterte ein weiterer Versuch der Vermittlung. Katholische Bischöfe des Landes hatten ohne Erfolg mit Kabila verhandelt, um die Krise beizulegen. Das Fehlen eines "aufrichtigen politischen Willens und die Unfähigkeit der Politiker" hätten das Zustandekommen eines Kompromisses verhindert, zitieren örtliche Medien den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Marcel Utembi. Offiziell wird der aber nötig sein: Im Übergangabkommen wurde außerdem vereinbart, im Laufe dieses Jahres Präsidentschaftswahlen abzuhalten.