Die Ukraine hat Russland in einer Anhörung vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag vorgeworfen, prorussische Separatisten in der Ostukraine zu finanzieren. Zudem diskriminiere Russland Tataren und Ukrainer auf der annektierten Halbinsel Krim, sagte die ukrainische Vizeaußenministerin Olena Serkal im Gericht. Sie forderte den IGH zu Sofortmaßnahmen auf.

Die Russische Föderation sei verantwortlich für "Terrorakte und Diskriminierung" in der Ostukraine und auf der Krim, kritisierte Serkal. Das UN-Gericht solle die Aggression Russlands mit einer einstweiligen Verfügung unterbinden. Die russische Regierung müsse jegliche Unterstützung der Rebellen unverzüglich einstellen und ihre Grenzen strenger überwachen. Die Separatisten würden Städte beschießen und bombardieren, Tausende Unschuldige seien in Lebensgefahr. "Ich stehe heute vor dem Gericht und bitte um den Schutz der Menschenrechte des ukrainischen Volkes", sagte die Politikerin.

Die prorussischen Separatisten kontrollieren seit 2014 weite Gebiete im Osten der Ukraine. In dem Konflikt zwischen den Aufständischen und der ukrainischen Armee wurden bislang mehr als 10.000 Menschen getötet.

Ukraine wirft Russland auch Abschuss von Flugzeug MH17 vor

Die Ukraine hatte Mitte Januar beim höchsten UN-Gericht Klage eingereicht. Demnach macht die Ukraine seinen östlichen Nachbarn auch für den Abschuss des Passagierfluges MH17 im Jahr 2014 verantwortlich. Dabei waren alle 298 Insassen gestorben. Das Flugzeug war über umkämpftem Gebiet in der Ostukraine von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Die Ukraine fordert von Russland Entschädigungszahlungen.

Russland wird am Dienstag vor dem IGH Stellung zu den Vorwürfen beziehen. Bislang hat das Land von Staatschef Wladimir Putin jede Beteiligung am Krieg in der Ostukraine zurückgewiesen und sprach von politisch motivierter Kritik. Zudem zweifelt Russland daran, dass der IGH überhaupt für die ukrainische Klage zuständig ist.  

Die Richter werden zunächst über den Antrag auf Sofortmaßnahmen entscheiden. Ein Termin steht noch nicht fest. Das anschließende Hauptverfahren kann mehrere Jahre dauern.