Sollte sie enttäuscht gewesen, so hat Marine Le Pen es erfolgreich versteckt: Während die rechtsextreme Frontfrau Frankreichs im südfranzösischen Saint-Raphaël vor ihren Anhängern zu einem "selbstbestimmten Frankreich" aufrief, wurde ihr niederländisches Double Geert Wilders bei den niederländischen Parlamentswahlen gerade Zweiter. Ein für alle rechtsextremen Parteien Europas enttäuschendes Ergebnis: Denn auch wenn Wilders künftig über mehr Sitze verfügt als zuvor, ist er weit vom lange Zeit möglich scheinenden Sieg entfernt.

Und sowie Wilders' großer Erfolg am Mittwoch ausblieb, muss auch Marine Le Pen fürchten, ihr seit Monaten anhaltender Höhenflug könne stoppen. So wie Wilders zuletzt einige Punkte verlor, scheint auch ihr Durchmarsch nicht mehr sicher. Augenblicklich macht ihr der liberale und parteilose Emmanuel Macron den ersten Platz streitig für die Präsidentschaftswahlen Ende April.

Jedenfalls verlor Le Pen gestern Abend vor Hunderten fahnenschwenkenden Anhängern keinen Ton über Wilders – obwohl die beiden seit Jahren ihre politische Nähe zelebrieren. Kurz vor den Europawahlen 2014 schlossen die beiden gar einen Pakt und besiegelten ihn mit einem strahlenden Foto in Brüssel: Sie gründeten die euroskeptische Gruppe ENF. "Wilders' neue Flamme" titelte damals eine niederländische Tageszeitung. Und erst im Januar traten sie siegessicher auf einem Kongress der rechtsextremen Parteien Europas auf und sagten den "Durchmarsch ihrer patriotischen Parteien" in diesem Jahr vorher.

Niederlande - Geert Wilders unterliegt Der Rechtspopulist gestand Ministerpräsident Mark Rutte den Sieg zu und kündigte an, seine Partei werde kraftvolle Oppositionsarbeit in den Niederlanden leisten. © Foto: Remko De Waal/AFP/Getty Images

Frankreichs Wahlsystem hilft Le Pen

Und auch wenn eine nähere Freundschaft der beiden nicht bekannt ist – sie halten sich für das jeweilige Pendant im eigenen Land und setzen auf ähnlich nationalistische Themen. Le Pen kann in Frankreich auf ebenso euroskeptische Wähler hoffen wie Wilders in den Niederlanden. 2005 votierten die Bürger in einem Referendum mit 55 Prozent gegen den europäischen Vertrag und auch die Niederländer stimmten damals überraschend mit Nein. In ihren Länderprogrammen versprechen beide ursprünglich linke Projekte – etwa die Rente mit 60 Jahren, günstigere Pflege im Alter und höhere Mindestlöhne.

Aber ein genauer Vergleich zwischen den beiden Populisten zeigt auch: Wilders und Le Pen trennt eine Menge. Die Strategie des Front National und das französische Wahlsystem scheinen aussichtsreicher für Le Pens Partei zu sein. Während in den Niederlanden eine Fülle von Parteien gewählt wird, wird das französische System im ersten Wahlgang Ende April zwei Kandidaten aussieben und erst im Duell entscheidet sich, wer den im Vergleich zum niederländischen Premier viel mächtigeren Präsidentenposten Frankreichs ergattert.

Ein System, das Le Pen in den aktuellen Umfragen entgegenkommt: Bislang wird sie nach allen Umfragen mit dem liberalen und parteilosen Emmanuel Macron in den zweiten Urnengang kommen. Hätten die Niederlande dasselbe System, würden sich der liberale Sieger Rutte und Wilders in zwei Wochen ebenfalls im Duell gegenüberstehen.

Vor allem aber hat Marine Le Pen eine andere Strategie als Wilders: Die Tochter des Parteigründers und Kriegsveteranen Jean-Marie Le Pen will die Partei "entdiabolisieren", sie tritt viel weniger schroff auf und wirbt mit Plakaten eines "friedlichen Frankreichs". Sätze wie kürzlich von Wilders, dass Muslime "Abschaum" seien, kämen ihr niemals öffentlich über die Lippen. Sie spricht inzwischen lieber von einem "laizistischen" Frankreich für alle.