Die Bundeskanzlerin war gerade erst von ihrem Besuch in Washington zurückgekehrt, da veröffentlichte der US-Präsident einen Kommentar zu seinem Treffen mit Angela Merkel. Deutschland schulde der Nato "riesige Summen", twitterte Donald Trump. Berlin müsse Washington mehr zahlen für die "gewaltige und sehr teure Verteidigung", welche die USA für Deutschland leisteten.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen widersprach dieser Behauptung. "Es gibt kein Schuldenkonto in der Nato. Die zwei Prozent Verteidigungsausgaben, die wir Mitte der nächsten Dekade erreichen wollen, allein auf die Nato zu beziehen, ist falsch", sagte von der Leyen.

Auch der ehemalige US-Botschafter bei der Nato, Ivo Daalder, widersprach und legte via Twitter nahe, Trump habe nicht verstanden, wie die Nato funktioniere. Daalder twitterte: "Sorry, Mr. President, so funktioniert die Nato nicht." Andere Nato-Staaten würden die USA nicht für ihr Engagement bezahlen. Die USA täten auch niemandem einen Gefallen, wenn sie dort Truppen stationierten. Sondern das sei lebenswichtig für die Sicherheit der USA.

Die nachträglichen Vorwürfe Trumps bestätigen den Eindruck, dass Merkel und Trump sich bei ihrer ersten persönlichen Begegnung nicht sonderlich gut verstanden haben. Dass sich der US-Präsident ausgerechnet noch einmal zum Thema Verteidigungsausgaben äußerte, passte zudem nicht so recht zu der rhetorischen Annäherung, die es bei dem Treffen gerade in diesem Bereich gegeben hatte.

Zwar hatte Trump auch bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit der Kanzlerin kritisiert, dass die USA in der Nato "unfair" behandelt würden und die Verbündeten "riesige Summen aus vergangenen Jahren" schulden würden. Doch hatte er Merkel zugleich für ihre Zusage gedankt, die deutschen Verteidigungsausgaben zu erhöhen, um das vereinbarte Volumen von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erreichen. Und Merkel hatte bekräftigt, auf diese in der Nato vereinbarte Zielmarke hinarbeiten zu wollen.

Auch andere Gemeinsamkeiten hatten der Präsident und die Kanzlerin bei ihrem öffentlichen Auftritt im East Room des Weißen Hauses herausgestrichen. So lobte Trump das deutsche Engagement für eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts sowie den deutschen Militäreinsatz in Afghanistan. Die Kanzlerin wiederum sagte: "Wir kämpfen gemeinsam gegen den islamistischen Terror."

Kein Kommentar von der Bundesregierung

Sicher aber ist, dass die Begegnung zwischen Merkel und Trump in unterkühlter Atmosphäre stattfand. Das zeigte sich in einem kurzen Moment im Oval Office, als Trump und Merkel nach einem fünfzehnminütigen Vieraugengespräch von den Fotografen vergeblich gebeten wurden, sich für ein Bild die Hände zu schütteln.

Als der Präsident nicht reagierte, wandte sich ihm die Kanzlerin zu und wiederholte die Bitte der Fotografen. Doch Trump beachtete sie nicht und starrte in eine andere Richtung. Womöglich hatte Trump das Anliegen der Kanzlerin aber einfach nicht verstanden: "Ich glaube nicht, dass er die Frage gehört hat", sagte sein Sprecher Sean Spicer dem Spiegel.

Nach Trumps Wahlkampfpolemik gegen die Kanzlerin, die er bezichtigt hatte, mit ihrer Flüchtlingspolitik ein "totales Desaster" verursacht und Deutschland "ruiniert" zu haben, war nicht unbedingt zu erwarten gewesen, dass die beiden bei ihrem erstem Treffen Freundschaft schließen würden. Allerdings zeigte sich, dass nicht nur im persönlichen Umgang die Chemie nicht stimmt, sondern auch inhaltlich weiterhin Differenzen bestehen.

Auf Trumps Nachtreten reagierte Merkel so, wie sie es oft in den vergangenen Monaten getan hat: Sie schwieg. Die Bundesregierung lehnte einen Kommentar zu den Tweets ab.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels waren Tweets eingebunden, die wir nach redaktioneller Prüfung entfernt haben.