Der für Dienstag geplante Wahlkampfauftritt des türkischen Außenministers Mevlüt Çavuşoğlu in Hamburg ist abgesagt worden. Die Veranstaltungshalle im Stadtteil Wilhelmsburg wurde wegen einer fehlenden Brandmeldeanlage gesperrt, sagte eine Sprecherin des Bezirksamts Mitte. Ein Polizeisprecher teilte mit, dass bei einer Begehung des Gebäudes schwere brandschutzrechtliche Mängel festgestellt worden sind. Die Nutzung des Objekts sei sofort untersagt worden.

Laut der Zeitung Die Welt sei in der Vergangenheit die Halle häufig von mehr Menschen benutzt worden als vorgesehen. Die Hamburger Morgenpost berichtet unter Berufung auf den Veranstalter Bülent Güven, dass nach einer Ersatzhalle für den Auftritt des türkischen Außenministers gesucht werde.

Die Absage für Çavuşoğlu ist die vierte für einen türkischen Minister. Wie auch seine Vorgänger wollte er für das umstrittene Verfassungsreferendum in der Türkei werben. Zuletzt wurde ein Auftritt vom türkischen Wirtschaftsminister Nihat Zeybekçi im nordrhein-westfälischen Frechen abgesagt. Nach Polizeiangaben teilte der Betreiber der für den Auftritt vorgesehenen Halle mit, dass diese dem Veranstalter nicht zur Verfügung stehe. Davor hätte Zeybekçi seine Kundgebung in einem Saal im Kölner Bezirksrathaus Porz halten sollen, die die Stadt Köln jedoch wegen Sicherheitsbedenken abgesagt hatte. 

Der Bürgermeister der baden-württembergischen Stadt Gaggenau hatte eine Genehmigung für den geplanten Auftritt des türkischen Justizministers Bekir Bozdağ zuerst widerrufen. Der Andrang sei zu groß, hieß es zur Begründung. Die Halle, die Parkplätze und die Zufahrten reichten für den erwarteten Besucherandrang nicht aus. Deshalb sei die Zulassung widerrufen worden.

Außenminister Çavuşoğlu drohte Deutschland unterdessen mit Konsequenzen. Er warf der deutschen Bundesregierung vor, das von Erdoğan angestrebte Präsidialsystem verhindern zu wollen. In Ankara war am Donnerstagabend deshalb auch der deutsche Botschafter Martin Erdmann ins Außenministerium zitiert worden. Ihm sei das Unbehagen der Türkei über die jüngsten Entwicklungen vermittelt worden.