Nach übereinstimmenden Angaben Japans und des südkoreanischen Militärs hat Nordkorea mehrere ballistische Raketen von dem Areal Tongchang Ri aus abgeschossen – dort soll sich eine Raketen-Teststation befinden. Die Raketen seien etwa 1.000 Kilometer geflogen und hätten eine Höhe von 260 Kilometern erreicht, sagte ein Sprecher des südkoreanischen Generalstabs. Es sei allerdings unwahrscheinlich, dass es sich um Interkontinentalraketen handelte.

Drei Raketen sind nach Angaben des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe innerhalb der japanischen 200-Meilen-Zone ins Meer gestürzt. "Das zeigt eindeutig, dass Nordkorea in eine neue Stufe der Bedrohung eingetreten ist", sagte Abe vor dem japanischen Parlament. Er sprach von einer "ernsten, provokativen Aktion", die "klar UN-Sicherheitsratsresolutionen verletzt". "Wir können das niemals tolerieren", fügte er hinzu. Nordkorea hatte bereits bei früheren Raketentests die 200-Meilen-Zone vor der japanischen Küste erreicht.

Südkoreas amtierender Präsident Hwang Kyo Ahn berief den Nationalen Sicherheitsrat ein. Anschließend nannte er die nordkoreanischen Raketenabschüsse eine "unmittelbare und echte Bedrohung". Nuklearwaffen in der Hand Nordkoreas seien angesichts der "Brutalität und Rücksichtslosigkeit der nordkoreanischen Führung" mehr als eine "grauenhafte" Vorstellung. Hwang sprach sich für eine "schnelle Stationierung" des US-Raketenabwehrsystems Thaad im Land aus. China lehnt die Installation des Systems ab.

Neue Sanktionen drohen

Der Nationale Sicherheitsberater der USA, Herbert Raymond McMaster, und der Regierungsvertreter Südkoreas, Kim Kwan Jin, verurteilten den Raketenabschuss während eines gemeinsamen Telefongesprächs. Nach Angaben des südkoreanischen Präsidentenbüros verständigten sich beide auf eine engere Zusammenarbeit, um härtere Sanktionen gegen Nordkorea zu verhängen.

Am Mittwoch haben Südkorea und die USA mit ihrem jährlichen gemeinsamen Militärmanöver begonnen. Nordkorea sieht in diesen Übungen eine Vorbereitung für einen Krieg auf der Koreanischen Halbinsel und drohte mit "starken Vergeltungsmaßnahmen". Mitte Februar hatte Nordkorea bereits einen Raketentest durchgeführt, der international verurteilt wurde. Der UN-Sicherheitsrat rief seine Mitglieder auf, die Sanktionen gegen Nordkorea wirksamer durchzusetzen. Dem Land sind Tests mit ballistischer Raketentechnik durch UN-Resolutionen untersagt.