Auf dem Brief, der im Pariser Büro des Internationalen Währungsfonds explodierte und eine Sekretärin leicht verletzte, sind laut der Pariser Staatsanwaltschaft "Reste griechischer Stempel" gefunden worden. Präsident François Hollande sprach von einem Angriff. Erst am Mittwoch war im Bundesfinanzministerium in Berlin eine Briefbombe entdeckt worden, ebenfalls mit griechischem Absender.

Behörden in Athen bestätigten, dass sie die Leitung der Ermittlungen übernommen haben. Frankreich habe sie informiert, dass die Briefbombe aus Griechenland geschickt worden sei, sagte der griechische Minister für öffentliche Ordnung, Nikos Toskas, dem Sender Antenna TV. Sie sei im Namen des konservativen Abgeordneten Vassilis Kikilias von der Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND) versendet worden – allerdings von einer Büroadresse, die so nicht mehr existiere.

Der Brief ans Schäuble-Ministerium war mit dem Absender von Kikilias' Parteikollegen Adonis Georgiadis versehen worden, der sich sogleich distanzierte und Schäuble als "Freund" bezeichnete. Die griechische Autonomengruppe Verschwörung der Feuerzellen hatte sich in einer Onlineveröffentlichung zu dem versuchten Anschlag in Berlin bekannt. Die Gruppe bezeichnete sich als Teil einer aufeinander abgestimmten Kampagne internationaler Anarchistengruppen. Zum Fall in Paris liegt bisher kein Bekennerschreiben vor.

Ermittler befürchten Briefbombenserie

Die Ermittler erhoffen sich Hinweise von der verletzten Sekretärin, die sich vielleicht noch an Details auf dem Paket erinnern könnte, sagte ein Beamter der Nachrichtenagentur Associated Press. Es sehe so aus, als seien die Briefbomben in Paris und in Berlin von derselben Gruppe abgesendet worden. "Wir sind uns aber noch nicht ganz sicher", sagte der Beamte. "Es sieht so aus, als könnte das eine Wiederholung von 2010 sein." Damals hatte die Gruppe Verschwörung der Feuerzellen Briefbomben an Bundeskanzlerin Angela Merkel und mehrere Botschaften in Athen verschickt. Man sei besorgt, dass die Gruppe bereits weitere Briefbomben versendet habe, die noch nicht entdeckt worden seien.

Präsident Hollande versicherte, die Regierung werde alles tun, um die heimtückischen Täter zu stellen. In Frankreich gilt nach mehreren tödlichen islamistischen Anschlägen in den vergangenen zwei Jahren weiterhin der Ausnahmezustand. Bewaffnete Militäroffiziere und Polizisten bewachten die Gegend um den IWF, in dem sich auch das französische Büro der Weltbank befindet.

IWF-Direktorin Christine Lagarde, die während einer Deutschlandreise über die Explosion informiert wurde, verurteilte die Tat in einer Stellungnahme als "feigen Gewaltakt". Lagarde erklärte weiter: "Ich bekräftige die Entschlossenheit des IWF, unsere Arbeit im Einklang mit unserem Mandat fortzuführen."