Der zeitweilige Wahlkampfleiter von Donald Trump, Paul Manafort, hat heimlich für einen russischen Milliardär gearbeitet, um die Regierung des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu unterstützen. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf vertrauliche Geschäftsunterlagen und mit Verweis auf Insider, die mit der Arbeit des Lobbyisten vertraut waren. Die Informationen widersprechen den Beteuerungen der Trump-Regierung und auch Manaforts selbst, niemals im Interesse der russischen Regierung tätig gewesen zu sein.

Wie AP berichtet, soll Manafort im Juni 2005 einen politisch ehrgeizigen Strategieplan aufgestellt haben, der nach seinen damaligen Worten "der Putin-Regierung stark nutzen kann". Darin stellt er seinen Geschäftspartnern in Aussicht, im Sinne Putins nicht nur die höchsten politischen Stellen in Washington, sondern auch Geschäftsbeziehungen und die Medienberichterstattung entsprechend beeinflussen zu können. "Dieser Plan", zitiert die Agentur aus einem Memo des Lobbyisten, "wird dabei helfen, die Politik der russischen Regierung sowohl nach innen als auch nach außen neu auszurichten."

Den Informationen zufolge bot Manafort den Plan dem russischen Aluminium-Industriellen Oleg Deripaska an. Deripaska gilt als enger Vertrauter Putins, seine direkten Verbindungen in den Kreml sollen ihn zu einem der reichsten Unternehmer Russlands gemacht haben. Kurz danach soll Manafort einen Vertrag mit Deripaska unterzeichnet haben, der ihm bis mindestens 2009 jährlich zehn Millionen Dollar eingebracht habe. Der Trump-Vertraute – nach eigenen Angaben steht Manafort weiter im telefonischen Kontakt zum Präsidenten – plante die Eröffnung eines eigenen Büros in Moskau, was er jedoch nie umsetzte.

"Das ist unfair"

Manafort bestätigte gegenüber AP, für Deripaska in vielen Ländern gearbeitet zu haben. Es sei aber unfair, seine Tätigkeit als nicht angemessen oder ruchlos darzustellen. Die Berichte über ihn bezeichnete er als Teil einer Verleumdungskampagne. "Die Vertretung politischer Interessen Russlands gehörte nicht zu meiner Arbeit für Deripaska."

Der 67-Jährige hatte einst in der Ukraine als Berater prorussische Kräfte angeheuert. Nach ukrainischen Angaben soll er aus dem Umfeld des früheren Präsidenten und Kreml-Verbündeten Viktor Janukowitsch 12,7 Millionen Dollar erhalten haben. Eine dieser Zahlungen in Höhe von 750.000 Dollar soll auf dem Umweg über eine Offshore-Gesellschaft in Kirgisistan bei Manafort angekommen sein. Als seine Verbindungen in die Ukraine und nach Russland öffentlich wurden, trat der Politik- und Wirtschaftslobbyist Mitte August vom Posten des Wahlkampfleiters des späteren Präsidenten zurück.

Manafort, Page, Stone, Flynn

Nach Informationen der New York Times steht Manafort auch im Mittelpunkt der FBI-Ermittlungen zu möglichen illegalen Absprachen zwischen Mitarbeitern von Trumps Wahlkampfteam und russischen Offiziellen. Nach Angaben der Zeitung fingen die US-Behörden Telefonate zwischen Manafort und russischen Geheimdienstmitarbeitern während des Wahlkampfs ab. Über den Inhalt wurde aber nichts bekannt. Manafort bestritt, jemals "wissentlich" mit russischen Geheimdienstlern kommuniziert zu haben.

Als FBI-Chef James Comey während einer Anhörung im Kongress zur Russland-Affäre befragt wurde, wollte er keine Namen nennen; auch Manafort wurde von ihm nicht erwähnt. Im Anschluss allerdings mühte sich der Sprecher von Donald Trump, die Verbindungen zwischen dem Lobbyisten und dem Präsidenten zu relativieren. Manafort habe im Wahlkampf "für eine sehr kurze Zeit" nur eine "sehr begrenzte Rolle" gespielt, sagte Sean Spicer. Belegt ist allerdings, dass Manafort von März bis August das Wahlkampfteam Trumps leitete und dort auch eng mit Carter Page, Roger Stone und Michael Flynn zusammenarbeitete, die laut New York Times von der Bundespolizei als die drei anderen zentralen Akteure in der Russland-Affäre angesehen werden.