Der frühere polnische Staatspräsident Lech Wałęsa hat an der national-konservativen Regierung seines Landes scharfe Kritik geübt. "Es kommen Gruppen an die Macht, die schwindeln und betrügen", sagte der Solidarność-Gründer in der Wochenzeitung DIE ZEIT und zielt mit seiner Kritik vor allem auf den Vorsitzenden der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jarosław Kaczyński. Dieser wolle "alles eliminieren, was ihn stört". Dazu gehören das Verfassungsgericht, die Gerichte und das Parlament. Es frage sich, ob Kaczyński eine Diktatur errichten wolle.

Im Interview reflektiert Wałęsa, der 1983 für seinen Kampf als Arbeiterführer gegen das kommunistische Regime mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, zudem Möglichkeiten, mit Populismus umzugehen. "Für mich als Revolutionär stellt sich nun die Frage, ob unsere heutigen Demokratien überhaupt noch dazu fähig sind, mit solchen Populisten umzugehen", sagte er.

Ihm zufolge brauche es eine Kontrollinstanz, die Aussagen von Politikern auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Man brauche "auf allen demokratischen Ebenen" eine Art Gericht, das die "Lügen der Populisten herausfischt und sagt: 'Du lügst! Du schwindelst! Du bist ein Demagoge und kein Politiker!'", sagte Wałęsa.

Die Vorwürfe, er habe zwischen 1971 und 1976 als Spitzel der polnischen Staatssicherheit mit dem Pseudonym Bolek gearbeitet, wies Wałęsa erneut entschieden zurück: "Ich habe in den siebziger Jahren mit der Staatssicherheit nur über politische Dinge geredet." Freunde verraten oder für die Sicherheitsbehörden spioniert habe er jedoch nicht.