Die Kandidaten für die französische Präsidentschaftswahl stehen fest: Elf Bewerber konnten sich für die Wahl am 23. April qualifizieren. Das teilte der Präsident des Verfassungsrats, der ehemalige Premierminister Laurent Fabius, mit. Für ihre Kandidatur mussten die Bewerber bis Freitagabend mindestens 500 Unterstützer-Unterschriften von gewählten Amtsträgern, wie beispielsweise Bürgermeistern, vorlegen.

Die meisten Unterschriften – fast 3.000 – konnte der rechtskonservative Kandidat François Fillon vorweisen, obwohl gegen ihn wegen einer Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Ehefrau ermittelt wird.  In Umfragen ist Fillon auf den dritten Platz abgerutscht und würde es somit nicht in die Stichwahl schaffen. Der 63-Jährige setzt auf liberale Wirtschaftsreformen, will die 35-Stunden-Woche abschaffen, 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst streichen und die Staatsausgaben um 100 Milliarden Euro senken. Außenpolitisch will er die Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin verbessern. Mit der offiziellen Verkündung seiner Kandidatur hat seine konservative Partei auch die Möglichkeit verloren, einen weniger angeschlagenen Bewerber ins Rennen zu schicken.

Der wirtschaftsliberale Emmanuel Macron von der Bewegung En Marche ("In Bewegung") konnte 1.548 Unterstützer gewinnen. Der parteilose Ex-Wirtschaftsminister ist überraschend zum Favoriten geworden, er könnte vor allem bei den Wählern der politischen Mitte punkten. Der sozialliberale Reformpolitiker will unter anderem den Arbeitsmarkt, die Arbeitslosenversicherung und das Rentensystem überarbeiten und verspricht, Freiheit für Unternehmen und Schutz für Arbeitnehmer zu vereinen. Er möchte die Dreiprozentgrenze beim Staatsdefizit einhalten. Außerdem wirbt der Pro-Europäer für eine Vertiefung von EU und Eurozone.

Die offiziellen Kandidaten für die französische Präsidentschaftswahl: die Kandidatin der Arbeiterpartei Nathalie Arthaud, der Rechtsnationalist François Asselineau, der unabhängige Kandidat Jacques Cheminade, der Gaullist Nicolas Dupont-Aignan und der Konservative François Fillon. In der zweiten Reihe: der Sozialist Benoît Hamon, der zentrumsliberale Abgeordnete Jean Lassalle, die Vorsitzende der rechtspopulistischen Front National Marine Le Pen, der unabhängige Wirtschaftsliberale Emmanuel Macron, der Gründer der Linkspartei Jean-Luc Mélenchon und der Linke Philippe Poutou © Reuters

Umfragen sehen Marine Le Pen in der Stichwahl

Die Rechtspopulistin Marine Le Pen qualifizierte sich mit 618 Unterschriften für die Kandidatur. Die Vorsitzende des rechtspopulistischen Front National (FN) könnte im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten. Einen Sieg in der entscheidenden Stichwahl halten Meinungsforscher aber für unwahrscheinlich. Die 48-Jährige will Frankreich aus der EU führen, die Einwanderung drastisch beschränken und einen weitgehenden Wirtschaftsprotektionismus durchsetzen. Wegen einer Scheinbeschäftigungsaffäre im EU-Parlament ermittelt die Justiz, Le Pens Umfragewerten hat das aber bislang nicht geschadet.

Der Sozialist Benoît Hamon, der dem linken Flügel der regierenden Sozialistischen Partei (SP) zugerechnet wird, konnte 1.717 Unterschriften einreichen. Der Hollande-Kritiker gewann im Januar überraschend die Vorwahl der regierenden Sozialisten. Der 49-jährige Parteilinke wirbt für ein bedingungsloses Grundeinkommen, will den Mindestlohn und Sozialleistungen anheben, neue Unternehmenssteuern einführen und den Umweltschutz stärken. Der frühere Bildungsminister ist ein Bündnis mit den Grünen eingegangen, was für Vorbehalte im rechten Flügel der eigenen Partei gesorgt hat. Umfragen sehen ihn ohne Chancen auf die Stichwahl auf dem vierten Platz.

Mélenchon will EU-Verträge neu aushandeln – oder austreten

Die erforderlichen Unterschriften erreichte auch der Gründer der französischen Linkspartei, Jean-Luc Mélenchon, mit seiner Bewegung La France insoumise ("Das aufsässige Frankreich"). Der einstige Sozialist sieht sich als den wahren Vertreter der französischen Linken. Die Politik von Staatschef Hollande kritisiert er als zu unternehmerfreundlich. Der 65-Jährige schlägt unter anderem ein 100 Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm vor, um das schwache Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Außerdem will er die EU-Verträge neu verhandeln – und wirbt ansonsten für einen Austritt aus der EU. In Umfragen liegt der auch von den Kommunisten unterstützte Mélenchon derzeit auf dem fünften Platz.

Weitere Kandidaten, die sich qualifizieren konnten sind Nathalie Arthaud von Lutte Ouvrière ("Arbeiterkampf"), der Gaullist Nicolas Dupont-Aignan und der Rechtsnationalist François Asselineau. Drei Bewerber – Philippe Poutou von der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA), der zentrumsliberale Abgeordnete Jean Lassalle und der Unabhängige Jacques Cheminade – qualifizierten sich im letzten Augenblick für die Kandidatur.

Die letzten Wochen des Wahlkampfs waren überschattet von den Ermittlungen gegen Fillon und Le Pen. Fünf Wochen vor der Wahl soll die Debatte nach der offiziellen Verkündung der Kandidaten wieder inhaltlicher werden. Am Montagabend treten die wichtigsten Präsidentschaftskandidaten in einer ersten TV-Debatte gegeneinander an, neben Fillon sind Macron, Le Pen, Hamon und Mélenchon eingeladen. Entschieden wird die Präsidentschaftswahl am 7. Mai in einer Stichwahl, bei der die beiden Bestplatzierten der ersten Runde gegeneinander antreten. Meinungsforscher sehen den ehemaligen Wirtschaftsminister Macron als Favoriten. Jüngsten Umfragen zufolge würde er zwar im ersten Durchgang knapp hinter Front-National-Chefin Le Pen liegen. In der Stichwahl würde er sich aber deutlich gegen sie durchsetzen.