Wehmütig, mahnend, aber auch euphorisch und hoffnungsvoll: Die Reaktionen auf den offiziellen Antrag Großbritanniens, die EU zu verlassen, fallen geteilt aus. EU-Ratspräsident Donald Tusk twitterte: "Was kann ich noch sagen? Wir vermissen euch jetzt schon. Danke und goodbye!"

Die britische Premierministerin Theresa May habe den Brexit eingeleitet und es gebe "keinen Grund zu behaupten, dass dies ein glücklicher Tag ist", hieß es in einer Erklärung Tusks. Der Brexit habe trotz allem auch etwas Positives: Die Gemeinschaft der 27 übrigen EU-Mitgliedsstaaten stünde enger zusammen als zuvor, so Tusk. Beim Brexit gehe es nun darum, "Schadensbegrenzung" zu betreiben und die Kosten für die EU-Bürger, Unternehmen und Mitgliedsstaaten so gering wie möglich zu halten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, Großbritannien und die EU sollten trotz der Brexit-Verhandlungen enge Partner bleiben. So werde man gemeinsame Fragen wie den Klimawandel und die Folgen der Digitalisierung angehen, sagte die CDU-Chefin. Man habe sich den Tag des Brexit-Antrags in der EU nicht gewünscht, die EU verliere einen starken Mitgliedsstaat.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte, Großbritannien und die EU bräuchten einander auch in Zukunft und sollten "gute und freundschaftliche Beziehungen" pflegen. "Lasst uns Freunde bleiben", schrieb er in einer Erklärung.

Zuvor hatte May vor dem britischen Parlament in London gesagt, ihr Land werde für die europäischen Partner der "beste Freund und Nachbar" sein. Weiter sagte May: "Unsere besten Tage liegen vor uns." Großbritannien müsse "stärker, fairer und vereinter" aus der Europäischen Union hervorgehen. 

"Der unmögliche Traum wird wahr"

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon kritisierte nach Mays Rede, die Premierministerin könnte neun Monate nach dem EU-Referendum grundlegende Fragen – etwa, was der Brexit für die Wirtschaft und die Gesellschaft bedeute – immer noch nicht beantworten: Die Trennung von der EU sei ein "Sprung ins Ungewisse", sagte Sturgeon dem britischen Nachrichtensender BBC. Sturgeon und May liegen im Streit: Schottland will im Europäischen Binnenmarkt bleiben und hat am Dienstagabend für ein erneutes Referendum über eine Unabhängigkeit von Großbritannien gestimmt. Die Volksabstimmung soll noch vor dem EU-Austritt erfolgen. May lehnt einen Sonderweg Schottlands und ein Referendum vor dem Brexit ab.

Der ehemalige Chef der EU-feindlichen Ukip-Partei, Nigel Farage, äußerte sich nach der offiziellen Brexit-Erklärung zufrieden: "Der unmögliche Traum wird wahr. Heute überschreiten wir den Punkt, von dem es kein Zurück mehr gibt."

"Die Mutter aller Verhandlungen"

Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz sagte, der Brexit sei ein Wendepunkt für die EU: Die Gemeinschaft müsse sich nach dem EU-Austritt der Briten verändern. Der CDU-Finanzpolitiker Jens Spahn erwartet, dass die kommenden Monate arbeitsintensiv wie selten werden: "Das wird die Mutter aller Verhandlungen. Das werden wahrscheinlich die komplexesten Verhandlungen, die es jemals auf der Welt gegeben hat."

Vertraglich vorgesehen sind für die Austrittsverhandlungen zwei Jahre. Innerhalb dieser Frist müssen die künftigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien neu ausgehandelt werden. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) erinnerte an die engen Handelsbeziehungen und an die Notwendigkeit, trotz des Brexit weiter zusammenzuarbeiten: "Großbritannien ist unser viertwichtigster Handelspartner und wir haben dort den höchsten Exportüberschuss. Letztendlich haben beide Seiten jedoch großes Interesse, dass der Handel weitergeht."