Die Todesstrafe in der Türkei könnte bereits nach dem Verfassungsreferendum Mitte April eingeführt werden. "Die Familien der Märtyrer, die Familien unserer Helden müssen sich keine Sorgen machen", sagte Erdoğan. "Ich glaube, so Gott will, wird das Parlament das Notwendige tun hinsichtlich eurer Forderungen nach der Todesstrafe nach dem 16. April." In diesem Fall werde er das Gesetz "ohne Zögern" unterzeichnen.

Erdoğan hatte nach dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 mehrfach erklärt, dass er ein Gesetz zur Wiedereinführung der Todesstrafe unterzeichnen werde, falls das Parlament es beschließe. Das Verfassungsreferendum im April soll ihm noch weiterreichende Machtbefugnisse geben. In den letzten Monaten hatte er immer wieder vor Anhängern gesprochen, die in Sprechchören die Bestrafung der Putschisten mit der Todesstrafe forderten.

Nach dem gescheiterten Umsturzversuch hatte Ministerpräsident Binali Yıldırım die Wiedereinführung angeregt und Erdoğan hatte dies befürwortet.

Die harten Maßnahmen, mit denen die türkische Regierung seit dem Putschversuch gegen ihre Bürger vorgeht, haben zu starker Kritik seitens der EU geführt. So häufen sich in der Türkei die Verhaftungen mutmaßlicher Anhänger des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen, den Erdoğan für den Putschversuch verantwortlich macht. Mehr als 36.000 Menschen wurden bislang inhaftiert und 75.000 aus ihren Diensten entlassen. Dazu gehörten auch Mitarbeiter der Sicherheitskräfte, der Justiz und des Bildungswesens. Zu den Verhafteten zählen außerdem Journalisten, wie der Welt-Auslandskorrepondent Deniz Yücel

Mit großer Mehrheit hatte das EU-Parlament zuletzt dafür gestimmt, die Beitrittsgespräche deswegen mit der Türkei einzufrieren. Die EU-Abgeordneten forderten zudem, dass eine Wiedereinführung der Todesstrafe automatisch eine formale Suspendierung der Beitrittsverhandlungen zur Folge haben solle.

Im Jahr 2004 war die Todesstrafe in der Türkei erst abgeschafft worden – im Rahmen der Bemühungen Ankaras um eine Annäherung an die EU. Die letzte Hinrichtung fand 1984 statt.