Der haitianische Ex-Präsident René Préval ist im Alter von 74 Jahren gestorben. "Ich habe mit Trauer vom Tod des früheren Präsidenten René Préval erfahren", teilte der derzeitige Präsident des sehr armen Karibikstaats, Jovenel Moïse, über Twitter mit. Die Todesursache wurde nicht genannt. Préval wurde 2001 in Kuba wegen Prostatakrebs behandelt.

Préval war der einzige Präsident Haitis, der zwei demokratische Wahlen gewonnen und zwei vollständige Amtszeiten absolviert hat. Die erste Wahl gewann er 1995 als Nachfolger von Jean-Bertrand Aristide, unter dem er Ministerpräsident war. Allerdings musste Aristide sieben Monate nach Beginn seiner Amtszeit 1990 nach einem Putsch in Exil gehen. Préval begleitete ihn. 

Aristide wurde 1994 nach einer militärischen Intervention der USA wieder als Präsident eingesetzt. Die Wahl 1995 gewann der von Aristide unterstützte Préval mit 88 Prozent der Stimmen. Aristide wurde 2001 wiederum sein Nachfolger. Doch auch diese Amtszeit stand Aristide nicht durch; eine Rebellion zwang ihn 2004 außer Landes. Eine Übergangsregierung wurde eingesetzt.

Prévals zweite Amtszeit ab 2006 wurde von der Erdbebenkatastrophe am 12. Januar 2010 mit mehr als 310.000 Toten überschattet. Sie war zudem von einer dramatischen Zunahme der Gewaltkriminalität geprägt. Dennoch ging es wirtschaftlich aufwärts, 2009 wurde ein Wachstum von drei Prozent verzeichnet. 

Mit dem Erdbeben war das vorbei. Prévals Krisenmanagement wurde als chaotisch kritisiert. Am 14. Mai 2011 übergab Préval die Amtsgeschäfte an Michel Martelly – erstmals in der Geschichte des Landes ging die Macht von einem Regierungs- an einen Oppositionspolitiker über.