Im Streit über Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm schlägt die US-Regierung schärfere Töne gegenüber der Führung in Pjöngjang an. Außenminister Rex Tillerson schloss bei seinem Besuch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul militärische Maßnahmen prinzipiell nicht aus.

Die bisherige "Politik der strategischen Geduld" gegenüber Nordkorea sei an ein Ende gelangt, sagte Tillerson nach einem Treffen mit seinem Amtskollegen Yun Byung-se. Man müsse neue Wege einschlagen. Alle Optionen lägen dabei auf dem Tisch. Zwar strebe die US-Regierung keinen militärischen Konflikt an, aber "wenn Nordkorea Schritte unternimmt, die die südkoreanische oder unsere eigene Armee bedrohen, dann würde auf diese Schritte angemessen reagiert", sagte Tillerson.

Damit bezog er sich auf den jüngsten Raketentest Nordkoreas: Vorige Woche – und damit nur wenige Tage vor der ersten Reise des US-Außenministers in die Region – hatte die Führung in Pjöngjang vier Raketen gestartet und damit erneut seine Nachbarländer und die USA provoziert.

Angesichts der Bedrohung durch Nordkorea bauen die USA in Südkorea bereits ein Raketenabwehrsystem auf. Außerdem kündigte das US-Verteidigungsministerium an, Kampfdrohnen nach Südkorea zu verlegen. Tillerson selbst hatte bei seinem Besuch in Japan die Bemühungen der USA in den vergangenen 20 Jahren für eine Denuklearisierung Nordkoreas für gescheitert erklärt.