In Sanaa, der Hauptstadt des Jemen und dem Zentrum der Schiiten, haben sich seit Samstag mehrere Hunderttausend Menschen auf den Straßen versammelt. Sie demonstrieren gegen die Militärintervention unter der Führung Saudi-Arabiens, die logistisch von den USA, Großbritannien und Frankreich unterstützt wird. Nach Informationen der Nachrichtenseite Aljazeera handelt es sich um die größten Massenproteste des Landes seit jenen im Arabischen Frühling, die 2011 den damaligen Präsidenten Ali Abdullah Salih zum Rücktritt gezwungen hatten.

Die Huthi-Rebellen und Salih kontrollieren neben der Hauptstadt auch andere Landesteile, vor allem im Nordwesten des Landes am Roten Meer. Sein im Exil lebender Nachfolger Abed Rabbo Mansur Hadi hatte 2015 zurücktreten müssen, kehrte nach einer ersten Flucht noch einmal zurück in den Jemen, um sein Amt wieder zu übernehmen und floh schließlich nach Saudi-Arabien. Die Hauptstadt wird seither von den Huthi kontrolliert.

Unter dem Motto "Widerstand gegen die Aggression" versammelten sich die Rebellen und deren Unterstützer am Wochenende im Zentrum der Stadt, skandierten Slogans gegen Saudi-Arabien und gelobten den Kampf "bis zum Ende" fortzusetzen. Die Kundgebung war zum zweiten Jahrestag des Beginns der Luftangriffe organisiert worden, mit denen sich Saudi-Arabien und die arabische Militärkoalition in den Konflikt im Jemen eingeschaltet hatten.

Die Nachrichtenagentur Saba berichtete unterdessen, dass der im Exil lebende Präsident Hadi und sieben seiner Mitstreiter in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden seien. Hadi wurde demnach von einem Gericht der Aufständischen schuldig gesprochen, sein Amt über das Ende des Mandats hinaus in Anspruch genommen und die "Aggression Saudi-Arabiens herbeigeführt" zu haben. Damit habe er die Unabhängigkeit und staatliche Einheit des Jemen aufs Spiel gesetzt.

In dem kriegerischen Konflikt um den Jemen wurden in den vergangenen zwei Jahren mehr als 7.700 Menschen getötet und etwa 40.000 verletzt. Die Hilfsorganisation Oxfam warnte in der vergangenen Woche vor einer Hungersnot im Land, das am Golf von Aden im Süden der Arabischen Halbinsel liegt: Inzwischen litten fast sieben Millionen Jemeniten "extreme Not" und seien "vom Hunger bedroht".