Piraten vor Somalias Küste haben nach mehreren Tagen der Geiselnahme den Frachter Aris 13 und dessen Besatzung freigelassen. Die acht Seeleute aus Sri Lanka seien unversehrt, sagte John Steed von der Organisation Oceans Beyond Piracy. Die Entführer hätten die Besatzung der Küstenwache der Region Puntland übergeben. Die Küstenwache der halbautonomen somalischen Region habe den Entführern "ein Angebot gemacht, das sie nicht ablehnen konnten", sagte Steed, ein früherer britischer Offizier, der seit Jahren die Freilassung von Geiseln somalischer Piraten aushandelt.

Steed zufolge wurde der Vorfall in "guter, alter somalischer Tradition" verhandelt. Demnach soll kein Lösegeld gezahlt worden sein. In Absprache zwischen Polizei und Piraten hätten die Angreifer unter Zusicherung keiner rechtlichen Konsequenzen das Schiff verlassen. Vor der Freilassung hatte die Küstenwache gedroht, das Schiff gewaltsam zu befreien. Es gab bereits erste Schusswechsel mit den Piraten.

Der Tanker unter komorischer Flagge soll noch am Freitag in der Hafenstadt Boosaaso an der Nordküste Somalias anlegen. Er war nach Angaben der Antipiraterie-Operation der Europäischen Union (EUNAVFOR) am Montag gekapert worden. Der Tanker sollte Treibstoff von Dschibuti in die somalische Hauptstadt Mogadischu transportieren. Die Piraten hatten die Besatzung gezwungen, ihren Kurs zu ändern und Richtung Puntland zu fahren.

Steed zufolge war es der erste größere Piratenangriff in der Region seit fünf Jahren. Angriffe somalischer Piraten auf Handelsschiffe am Horn von Afrika hatten seit dem Jahr 2005 deutlich zugenommen und 2011 einen Höhepunkt erreicht. Maßnahmen zum Kampf gegen die Piraterie, darunter Patrouillen im Meer, zeigten seitdem Erfolge. In den vergangenen Jahren wurden lediglich einige versuchte Angriffe registriert.