Die Bundeswehr hat angeblich Aufklärungsfotos von einem Schulgebäude in Syrien, das in der vergangenen Woche Ziel eines Luftangriffs war, geliefert. Das berichten die Süddeutsche Zeitung und die ARD. Der Verteidigungsausschuss des Bundestags wurde demnach am Mittwoch in geheimer Sitzung darüber informiert.

Bei dem Luftangriff in der Ortschaft Al-Mansura waren laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 33 Zivilisten getötet worden. Den Menschenrechtsbeobachtern zufolge waren in dem Gebäude rund 40 Familien untergebracht. Kurz vor dem Angriff habe die Bundeswehr Aufnahmen von dem Gebäude an die Anti-IS-Koalition geliefert.

Die Tornados-Militärjets der Bundeswehr sind zum Zweck der Aufklärung im Syrien-Konflikt im türkischen Incirlik stationiert. Sie machen hochauflösende Fotos von IS-Stellungen zur Identifizierung von Angriffszielen. Ob es einen direkten Zusammenhang zwischen dieser Tätigkeit und diesem Luftangriff gibt, ist nach Äußerungen des Verteidigungsministeriums offen. Es wollte den Angriff aus Geheimhaltungsgründen nicht bestätigen. "Zu konkreten Daten und Zielen äußern wir uns nicht", sagte ein Sprecher. Es gehöre aber zur Routine der Tornados, Bilder möglicher Ziele zu machen.

Zwischen den Aufnahmen und den Angriffen vergehe Zeit, für die Angriffsplanung gebe es noch weitere Quellen. "Wir liefen die Bilder mit einem Vorlauf ab", sagte der Sprecher. Auf den Bildern sei nicht feststellbar, welche Personen sich dort aufhalten. Oberstes Ziel der Truppe sei der Schutz der Zivilisten. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa lieferte die Bundeswehr die Aufnahmen am 19. März, einen Tag vor dem Luftangriff.

Den Angriff hätten US-Streitkräfte ausgeführt. Das US-Militär hatte mitgeteilt, es gebe keine Hinweise darauf, dass ein Luftangriff in der Region Zivilisten getroffen habe. Es sei ein Gebäude bombardiert worden, in dem sich hochrangige Mitglieder des Terrornetzwerkes Al-Kaida getroffen hätten. Auf die naheliegende Moschee sei bewusst nicht gezielt worden.

Die US-Streitkräfte hatten weitere Untersuchungen angekündigt. Die US-Luftwaffe bekämpft in Syrien seit 2014 den "Islamischen Staat" und Al-Kaida-nahe Extremisten. Die Bundeswehr fliegt keine Angriffe.