Ein Überraschungsangriff von Dschihadisten in Damaskus hat heftige Gefechte mit regierungstreuen Kräften ausgelöst. Aktivisten berichteten, Kämpfer der Fatah al-Scham-Front und andere Aufständische versuchten, vom östlichen Stadtteil Dschabar aus zum zentralen Abbasiden-Platz vorzustoßen. Die Fatah al-Scham-Front ist aus der Al-Nusra-Front, dem ehemaligen Al-Kaida-Ableger in Syrien, hervorgegangen.

Der Leiter der regierungskritischen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, sagte, die Rebellen hätten die Regierungskräfte mit zwei Autobombenanschlägen und mehreren Selbstmordattentätern angegriffen. Über Opfer konnte er zunächst keine Angaben machen. Es handele sich nicht um einen sporadischen Angriff, sondern um einen anhaltenden Versuch, Territorium zu gewinnen, sagte Abdel Rahman.

Im syrischen Staatsfernsehen hieß es, die Armee sei unter Einsatz von Artillerie dabei, "einen Angriff von Terroristen zurückzuschlagen". Sie habe Anwohner aufgerufen, in ihren Häusern zu bleiben. Dazu waren Bilder des leeren Abbasiden-Platzes zu sehen, der normalerweise äußerst belebt ist. Als einzige Geräusche waren Explosionen zu hören. Ein AFP-Reporter in Damaskus berichtete, Soldaten hätten sämtliche Zugänge zu dem Platz abgesperrt.

Der Beobachtungsstelle zufolge diente der Angriff der bewaffneten Regierungsgegner der Entlastung ihrer Kämpfer, die nordöstlich der Hauptstadt unter erheblichem Druck der Regierungskräfte stehen. In drei nördlichen Stadtvierteln gab es demnach seit Samstag bei anhaltenden Gefechten 21 Tote – 12 Islamisten und 9 Sicherheitskräfte. Die Angaben der den Rebellen nahestehenden Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden.

Anschläge in der syrischen Hauptstadt sind normalerweise eher selten. In Damaskus befinden sich viele Anhänger und Truppen von Präsident Baschar al-Assad, sie wurde von den Kämpfen im Land weitgehend verschont. Vor einer Woche jedoch waren bei zwei Anschlägen auf schiitische Pilger in Damaskus 70 Menschen getötet worden.

Seit dem Beginn des Bürgerkriegs vor sechs Jahren wurden mehr als 300.000 Menschen in Syrien getötet, Millionen Menschen sind geflohen. Am Donnerstag beginnt in Genf eine neue Runde der Friedensgespräche, um den Krieg zu beenden.