Erst hat ein Selbstmordattentäter im Justizpalast der syrischen Hauptstadt Damaskus 25 Menschen mit in den Tod gerissen. Dann hat sich ein zweiter Selbstmordattentäter im Stadtteil Rabwa im Nordwesten von Damaskus in die Luft gesprengt. Zahlreiche Menschen wurden getötet oder verletzt, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Demnach zündete der Angreifer in einem Restaurant einen Sprengstoffgürtel.

Die Zahl der Toten des Anschlags auf den Justizpalast stieg nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte auf mindestens 39, die meisten von ihnen seien Zivilisten, einige hätten dem Sicherheitspersonal angehört. Zunächst war unklar, wer für die Tat verantwortlich ist.

Die Attentäter sprengten sich am sechsten Jahrestag des Syrien-Konfliktes in die Luft. Er hatte am 15. März 2011 mit Protesten gegen die Regierung in Damaskus begonnen. Mittlerweile sind in dem Bürgerkrieg mindestens 400.000 Menschen ums Leben gekommen.

Die von der syrischen Regierung kontrollierten Gebiete sind in den vergangenen Wochen mehrfach Ziel von Bombenattentaten geworden. Erst am vergangenen Wochenende waren bei einem Anschlag auf schiitische Pilger in Damaskus mindestens 74 Menschen getötet worden. Die Al-Kaida-nahe Organisation Tahrir-al-Scham-Front beanspruchte die Tat für sich. Zuvor waren Anschläge in der Hauptstadt selten, da diese von starken regierungstreuen Truppen gesichert wird.

Ende Februar hatten Selbstmordattentäter in der zentralsyrischen Stadt Homs nach Angaben von Aktivisten mehr als 40 Menschen getötet. Die Angriffe richteten sich gegen Gebäude des Militärgeheimdienstes und der Staatssicherheit. Unter den Opfern war auch der Chef des Militärgeheimdienstes der Stadt. Zu den Anschlägen bekannte sich ebenfalls die Al-Kaida-nahe Organisation.

Die bewaffnete Gruppe ist vor allem im Nordwesten des vom Bürgerkrieg zerrütteten Landes stark. Sie kontrolliert in der Provinz Idlib größere Gebiete. Sie ist wie die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) von der seit Ende 2016 geltenden Waffenruhe ausgenommen. In den vergangenen Wochen hatte es in Idlib Kämpfe zwischen der radikalen Gruppe und gemäßigteren Rebellen gegeben.

Inklusion - "Islamischer Staat" auf Gebärdensprache Zwei junge Syrer haben neue Gesten in der Gebärdensprache entwickelt, damit auch hörbehinderte Menschen spezielle Begriffe zum Krieg verwenden und sich über die Gewalt in ihrer Heimat ausdrücken können. © Foto: Screenshot/AFP

Kaum Fortschritte in Astana

Die Anschläge in Damaskus überschatteten auch die neuen Syrien-Gespräche in der kasachischen Hauptstadt Astana, die wie die zwei ersten Runden im Januar und Februar ohne greifbare Fortschritte blieben. Der russische Delegationsleiter Alexander Lawrentjew sagte, die Gespräche in Astana sollten am 3. und 4. Mai fortgesetzt werden.

Verwirrung gab es um die Teilnahme der Rebellen an dem Treffen. Das kasachische Außenministerium erklärte zunächst, diese hätten einen Boykott beendet und wollten doch nach Kasachstan reisen. Später meldete die russische Agentur Interfax unter Berufung auf Diplomatenkreise, die Opposition habe wieder abgesagt.

Bei den Gesprächen in Kasachstan sollte es unter Vermittlung Russlands und der Türkei vor allem um eine Stärkung der brüchigen Waffenruhe gehen. Der Astana-Prozess läuft parallel zu den Genfer Verhandlungen unter UN-Vermittlung, die Ende März weitergehen sollen.

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, hat eindringlich eine Beschleunigung der Friedensverhandlungen für das arabische Land gefordert. Jede Art von Gesprächen müsse intensiviert werden, in Astana, in Genf, in New York oder sonst wo, sagte der Diplomat. Es dürfe keinen siebten Jahrestag des Beginns des Syrienkrieges geben, mahnte er.