Bei einem Luftangriff auf von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) kontrollierte Gebiete sind im Norden Syriens mindestens 33 Zivilisten ums Leben gekommen. Das berichtet die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und macht die US-geführte internationale Koalition für die Bombardierung verantwortlich. Auch die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldet, dass bei einem US-Luftangriff in dem Ort Al-Mansura Dutzende Zivilisten getötet oder verletzt worden seien.

Demnach handelt es sich bei den Opfern um Flüchtlinge, die in einem Schulgebäude untergekommen waren. Nach Angaben des Leiters der oppositionsnahen Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, stammen sie aus Raka, Aleppo und Homs. Rund 40 Familien waren demnach in dem Gebäude untergebracht, unter ihnen viele Frauen und Kinder. Auch in diesem Fall bezieht die Organisation ihre Informationen von einem Netzwerk von Aktivisten vor Ort. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Erst Ende vergangener Woche waren bei einem Luftangriff auf eine Moschee in dem von Rebellen kontrollierten Ort Al-Dschinnah im Norden des Landes mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen. Für diese Bombardierung machten Aktivisten direkt US-Kampfjets verantwortlich. Das Pentagon wies die Verantwortung für den Angriff jedoch zurück.

In Syrien herrscht seit sechs Jahren Bürgerkrieg, mehr als 400.000 Menschen wurden bislang getötet. Seit Ende Dezember gilt in dem Land eine von Russland und der Türkei vermittelte Waffenruhe, die jedoch brüchig ist, wie in den vergangenen Tagen auch die Menschen in der Hauptstadt Damaskus wieder erfahren mussten. Die Viertel im Osten und Nordosten der Stadt sind Schauplatz der schwersten Kämpfe seit zwei Jahren, Aktivisten und Augenzeugen berichten von massiven Luftangriffen, Granatbeschuss und heftigen Gefechten. Die Gebiete, die seit langem umzingelt sind, werden vor allem von Regimegegnern kontrolliert, zehntausende Menschen sind eingeschlossen, versorgt werden sie über Schmugglertunnel.

Die neuen Gefechte und die jüngsten Meldungen über die Luftangriffe auf die Moschee und die Schule dürften auch Thema bei einer Reihe von internationalen Treffen sein. Zum einen hat US-Außenminister Rex Tillerson seine Amtskollegen von der Anti-IS-Koalition – Deutschland wird durch den Politischen Direktor im Auswärtigen Amt vertreten – für diesen Mittwoch zu einem Treffen in Washington geladen. Am Donnerstag dann soll die nächste Runde der Syriengespräche unter UN-Vermittlung in Genf beginnen. Nach Angaben von UN-Sondervermittler Staffan de Mistura haben sowohl die Vertreter der Regierung als auch die Oppositionsgruppen ihre Teilnahme.

Neben Fragen zum Syrienkonflikt wird Tillerson mit den Verbündeten wohl vor allem über die militärische Lage im Irak sprechen, wo die irakische Regierungsarmee mit Unterstützung der Allianz inzwischen große Teile der IS-Hochburg Mossul erobert hat. In Syrien wiederum sind die von der Koalition unterstützten Kräfte in die Nähe der IS-"Hauptstadt" Raka vorgerückt.