North Carolina steht im Zentrum eines emotional geführten Streits in den USA um die Rechte von Transgendern – Menschen, deren sexuelle Identität nicht den Geschlechtsmerkmalen entspricht, mit denen sie geboren wurden. Ein umstrittenes Gesetz, das die Nutzung öffentlicher Toiletten durch Transgender regelt, soll in dem Bundesstaat zurückgenommen werden. Eine entsprechende Vereinbarung erzielten Gouverneur Roy Cooper und Abgeordnete des Regionalparlaments. 

Der Staat im Südosten des Landes hatte Transgendern vor einem Jahr die freie Toilettenwahl in staatlichen Einrichtungen wie Schulen und Behörden untersagt. Dies löste viele Proteste und Boykotte aus, dem sich diverse Stars, Unternehmen und Sportverbände anschlossen.

Mit dem Kompromiss entfällt die Vorschrift für Transgender zur Nutzung bestimmter Toiletten, die Zuständigkeit für öffentliche Toiletten bleibt aber beim Staat, nicht bei Kommunen oder der Schulverwaltung. Das Gesetz wird also nur teilweise zurückgenommen. Das löst erneut Kritik aus.

Manche Konservative wollten am bestehenden Gesetz festhalten, LGBT-Aktivisten und die Bürgerrechtsorganisation ACLU sehen Transgender auch in der neuen Version des Gesetzes nicht ausreichend vor Diskriminierung geschützt. Sie fordern eine vollständige Rücknahme.

Befürworter des bisherigen Gesetzes machen geltend, dass damit die Privatsphäre der Menschen gewahrt werde und sie vor sexuellen Übergriffen geschützt würden. Gegner halten diese Sichtweise für Unsinn, weil eine solche Gefahr nicht bestehe. Mehrere Versuche, einen Kompromiss zu finden, waren in den vergangenen Monaten gescheitert.

Demokrat Cooper, der als Gouverneur erst seit Jahresbeginn im Amt ist, sagte, die mit republikanischen Abgeordneten erzielte Vereinbarung sei zwar "nicht perfekt". Doch beginne durch sie die Reparatur des Imageschadens, den North Carolina durch die Kontroverse erlitten habe. Das Gesetz und der heftige Streit darum gelten als Beispiel für den tiefen Riss, der bei gesellschaftlichen Themen durch die USA geht. Die eine Seite empfand es als diskriminierend, die andere sah es als überflüssig an, sich überhaupt mit dem Thema zu befassen.