Aus Protest gegen die Haftbedingungen in türkischen Gefängnissen ist der Co-Vorsitzende der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP) in den Hungerstreik getreten. Nach Angaben seiner Partei verweigert Selahattin Demirtaş seit diesem Freitag die Aufnahme von Nahrung und wird bei dieser Aktion von dem ebenfalls einsitzenden HDP-Parlamentarier Abdullah Zeydan unterstützt. Beide Oppositionspolitiker sind derzeit im Hochsicherheitsgefängnis der westtürkischen Stadt Edirne inhaftiert. 

Demirtaş hatte bereits am Donnerstag über seine Partei ausrichten lassen, bei dem Hungerstreik gehe es nicht um persönliche Forderungen, sondern um Solidarität mit mehr als 100 politischen Gefangenen, die per Hungerstreik gegen die Haftbedingungen im Ausnahmezustand protestieren.

In der Erklärung des HDP-Politikers heißt es, viele Häftlinge seien "rechtswidrigen, unmenschlichen und willkürlichen" Praktiken ausgesetzt, viele Gefängnisdirektoren würden das Gespräch verweigern. Zu solchen Praktiken zählt die Partei etwa "weitreichende Folter", Einzelhaft, unangekündigte Zellendurchsuchungen, die Beschlagnahme von persönlichem Besitz sowie Einschränkungen beim Zugang zu Rundfunk, Zeitungen, Büchern und persönlichen Briefen. All diese Vorwürfe hätten eine "besorgniserregende Anzahl" erreicht.

Demirtaş, seine Co-Vorsitzende Figen Yüksekdağ und zahlreiche weitere HDP-Abgeordnete waren im November wegen Terrorvorwürfen verhaftet worden. Demirtaş wurde im Februar der "Herabwürdigung der türkischen Nation" schuldig befunden. Gegen ihn laufen Dutzende Verfahren. Insbesondere drohen ihm wegen der "Leitung einer Terrororganisation" und "Terrorpropaganda" 142 Jahre Haft. Yüksekdağ wiederum waren nach ihrer Inhaftierung bei zwei Gerichtsentscheidungen ihr Mandat als Abgeordnete und ihr Parteivorsitz aberkannt worden. Dennoch betrachtet die HDP sie weiterhin als ihre Co-Vorsitzende. 

Seit Ende Februar sitzt auch der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel wegen Terrorvorwürfen in türkischer Untersuchungshaft. Der Korrespondent der Zeitung Die Welt ist indes in Silivri westlich von Istanbul inhaftiert und nicht – wie Demirtaş – in Edirne. Die Bundesregierung bemüht sich nach eigenen Angaben um seine Freilassung.