Seit gut zwei Wochen ist der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel in der Türkei in Untersuchungshaft. Erneut forderte nun der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) seinen türkischen Amtskollegen Mevlüt Çavuşoğlu dazu auf, der deutschen Botschaft die Betreuung von Yücel zu ermöglichen. Am Dienstag habe das Gespräch stattgefunden, in dem Çavuşoğlu zugesagt habe, "sich der Sache anzunehmen", wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte.

Bei der sogenannten konsularischen Betreuung geht es vor allem darum, angemessene Haftbedingungen sicherzustellen. Nach Angaben des Auswärtigen Amts hatte der türkische Ministerpräsident Binali Yıldırım Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Betreuung persönlich zugesagt. Die Türkei ist nicht dazu verpflichtet, sie zu gewähren, weil Yücel nicht nur deutscher, sondern auch türkischer Staatsbürger ist. 

Das Amtsgericht Istanbul lehnte die Entlassung von Yücel, der Türkei-Korrespondent der Welt ist, ab. Sein Antrag, in eine Zelle mit anderen inhaftierten Journalisten verlegt zu werden, wurde nicht beantwortet. Yücels Rechtsanwälte hatten zuvor Widerspruch gegen seine Verhaftung eingelegt. Sie kritisierten, die Entscheidung des Haftrichters widerspreche der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und türkischen Gesetzen.

Bis zu fünf Jahre lang kann der Journalist in Untersuchungshaft gehalten werden. So lange kann es dauern, bis es zur Freilassung oder einem Prozess kommt. Dem Journalisten wird Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Volksverhetzung vorgeworfen. Seine Verhaftung hatte internationale Empörung ausgelöst und die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei belastet. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hält Yücel für einen Spion.

Die Türkei belegt in der Liste der Pressefreiheit des Journalistenverbandes Reporter ohne Grenzen den 151. von 180 Plätzen. Besonders nach dem versuchten Putsch im vergangenen Juli wurden zahlreiche Journalisten eingeschüchtert und verhaftet. Wie ZEIT ONLINE dokumentierte, sind derzeit mehr als 150 Reporter in Haft.