Das Pentagon hat vom Weißen Haus inzwischen die temporäre Befugnis erhalten, Teile des Jemen "zu aktiv feindseligen Gebieten zu erklären". Unter dieser Maßgabe müssen Opfer unter der Zivilbevölkerung nicht mehr mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" vermieden werden. Ihre Zahl muss lediglich "angemessen" sein. Was immer das heißen mag. Sicher ist jedenfalls, dass die Zahl der zivilen Opfer von US-Einsätzen im Jemen steigen wird.

Auf amerikanischer Seite kam beim Einsatz am 29. Januar ein Soldat namens William Owens ums Leben. Präsident Trump feierte den Navy Seal bei seiner ersten Rede zur Lage der Nation als "Krieger und Helden", der sein Leben in einer "hoch erfolgreichen Mission" geopfert habe. Das Publikum erhob sich zu einer Ovation für Owens Witwe, die in den Zuschauerrängen des Kapitols mit den Tränen kämpfte. Über die getöteten Jemeniten verlor Trump kein Wort.

Bei allem Respekt für Owens und seine Angehörigen, schrieb Glenn Greenwald, Mitgründer von The Intercept, kurz nach Trumps Rede: "Wir konzentrieren uns auf die getöteten Amerikaner, lernen ihre Namen, ihre Lebensgeschichten und das Schicksal ihrer Ehepartner und Eltern kennen, aber ignorieren konsequent jene Unschuldigen, die von der amerikanischen Regierung getötet werden, und deren Zahl immer um so vieles größer ist." Die Opfer amerikanischer Gewalt, so Greenwald, blieben ohne Namen, ohne Gesichter und damit auch ohne Menschlichkeit.

Diese Taktik der Verdrängung ist die Grundlage jeder erfolgreichen Kriegspropaganda. Nicht nur in den USA. Und so lange sie funktioniert, schreibt Greenwald, werden die Amerikaner den endlosen "Krieg gegen den Terror" unterstützen. Und im Zweifelsfall auch immer den Präsidenten, der ihn führt.